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Aus Schleswig.
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Alls Schleswig.

So wüßten wir denn nun, worauf man mit den Untersuchungen wegen der Adres­sen an die Stände eigentlich abzielte. Es war den Dänen nicht so wohl, um eine Be­strafung mißliebiger Manifestationen der Volkswünsche, als darum zu thun, eine pas­sende Gelegenheit zur Verminderung der Zahl patriotischer Wühler zu finden. Die Untersuchungen haben diese Gelegenheit gegeben, man hat sie mit Absicht so weit hinaus­gezogen, damit keine Freisprechung erfolge, bevor die Wahlen vorüber sind; aber das kleinliche Mittel wird schwerlich von Bedeutung für das schließliche Ergebniß der Wahlen sein. Man hat unter Andern in Schleswig gegen 200 Bürger, die bei der Adressenan- gelegenhcit bcthciligt sind, von den Wählerlisten gestrichen, obwol wider sie noch gar kein Erkenntniß ergangen ist. In Eckcrnförde sind durch die Willkür der Dänen etwa 100 Bürger ihres Wahlrechts verlustig gegangen. In dem seiner patriotischen Haltung wegen im ganzen Herzogthum bekannten Flecken Hoher an der friesischen Westküste, dessen Vertreter Brantweinbrenner Mathießen in allen Fragen mit der deutschen Majorität der Stände stimmte, hat man noch radicaler durchgcgriffen und alle Wähler ihres Rechts beraubt.

Wie wenig man sich dabei an die öffentliche Meinung kehrt, oder wie sehr man sichs vielmehr angelegen sein läßt, sie zu reizen, ersieht man daraus, daß auch Thomscn von dem Wahlcollegium seines activen und passiven Wahlrechts verlustig erklärt wor­den ist. Rathmann Thomsen von Oldcnswort in Eiderstedt war bekanntlich einer der drei Führer der Deutschen im flensburger Ständesaale, er galt für den tüchtigsten Charakter und das beste parlamentarische Talent unter sämmtlichen Abgeordneten, er hat im Rcichsrath zu Kopenhagen energisch das Landesrecht Schleswigs vertreten und noch voriges Jahr erklärt, daß er den Reichsrath seit dem Austritt der Vertreter Hol­steins und Laucnburgs nicht mehr für zu Recht bestehend betrachte. Die Dänen wollten ihn damals hinaus maßregeln, indeß scheiterte die Absicht an den Resten von Ncchts- sinn, die sich die Versammlung bewahrt hatte. In Schleswig kennt man diesen An­stand nicht. Der Mann wird für unfähig zu wählen und gewühlt zu werden erklärt, weil er im Jahre 1849 eine Adresse an die Landesverfassung unterschrieben hat. Daß inzwischen eine Amnestie ergangen ist, daß Thomsen bisher durch jenes Vergeh» nicht verhindert wurde, seine staatsbürgerlichen Rechte auszuüben, daß er sechs Jahre als Abgeordneter wirkte und zugleich Rcichsrath war, kümmert die dänische Logik nicht. Die Ordre des Mufti, das von Misir als Nechtsgrund ist hier an der Tagesordnung.

Uebrigens wird den Dänen alles nichts helfen. Die nächste Ständeversammlung wird so deutsch wie die vorige sein und sehr wahrscheinlich einen bessern Präsidenten haben. Ihre Schilderung des Betragens unscrsPolizeimcisters beim Bcgrübniß Gcrkcs ist noch viel zu glimpflich, indeß ist es besser, zu wenig als zu viel zu sagen. Reichte doch schon die Hälfte dessen, was hier geschieht, anderwärts aus, das Volk zur Verzweiflung zutreiben.

Heibcrg hat noch keine Resolution ans seine seit dem 23. Juni beim Ministerium eingereichte Bcschwerdcschrift über die Entscheidung des gvttorfer Amthauses. daß seine Buchhandlung ungcachtct der entgegenstehenden Verfügung des Appellationsgerichts vom 6. März d. I. geschlossen bleibe, bis die endliche gerichtliche Entscheidung erfolgt sei, ob er sein Geschäft fortsetzen dürfe. Diese Sache ruht nun schon vier volle Monate, und nie­mand wird jetzt noch in Abrede stellen wollen, daß es von vornherein aus den Ruin Hei­bergs abgesehn war. Es heißt, ein dünischer Buchhändler werde sich jetzt hier niederlassen und zwar solle derselbe jährlich tausend Reichsthaler Subvention von der Regierung erhalten, da er es ohne diese Beihilfe nicht wagcn wolle. (Vielleicht thäte es auch ein- nischgesinnter deutscher Biblivvolc, z.B. einer von den Herrn der Firma Adler u. Dietze in Dresden, die, nachdem sie sich durch dic dünenfreundliche ungewittcrschc Geographie einen wenig bencidenswerthen Ruf erworben, im vorigen Sommer die Stirn hatte, nicht blos Heibcrg, dem schwerbedrüngten Patrioten den wcitcrn Kredit zu verweigern, sondern da­ran auch ihr Bedauern zu knüpfen,daß eine neue Handlung, statt sich mit ganzer Seele

dem Sortiment zn widmen, Politik treibe"^______D. Red.)._

' ^mntwortlicher Redacteur- Dr. Mori» Busch. Verlag vvn F. L. Herbia Druck von C. li. vlberl in Leipzig,