Beitrag 
Diplomatenspiegel.
Seite
250
Einzelbild herunterladen
 

250

der Staatsforme» und der Parteifärbuug. daß mit dem Minister der auswär­tigen Angelegenheiten auch die Chefs der Missionen wechseln, vorausgesetzt, daß es sich nicht blos um eine Personen-Aenderung, sondern um eiue Modi­fikation des politischen Systems oder der bisherigen Richtung handelt. Die Bureauchcfs und ihre Untergebenen sind in der Regel keine Parteimcnschen, sondern Geschäftsleute, welche die Arbeiten, die ihnen aufgetragen werden, nach bestem Vermögen erledigen. Sie bescheiden sich mit dem Bewußtsein, daß sie die Politik nicht zu machen, ihre Richtung nicht zu bestimmen, sondern in dieser Branche ihre Schuldigkeit zu thun haben, und daß sie damit ihrem Fürsten und ihrem Vatcrlande am besten dienen. Angenommen, ein neuer Minister des Auswärtigen habe die Ausgabe, von dem System seines Vor­gängers ungefähr das gerade Gegentheil zu befolge». Er findet aber bei sei­nem Ministerium wie bei den Missionen von oben bis unten nicht nur die ergebenen Diener seines Vorgängers, sondern die eifrigen Anhänger uttd Ge­nossen der geschlossenen Partei, welcher die Dienste des letztern gewidmet waren. Diese nämlichen Organe der Vertretung unsers Staates finden an dem Orte, wo sie wirken sollen, ihre Gesinnungsgenossen auch in den Ministe­rien und unter denjenigen Mitgliedern des diplomatischen Corps, welche die entschiedenen Gegner der von unserm Ministerium zu iunugurirendcn neue» Politik si»d. Was wird nun geschehen? Werde» »icht die Organe unsers Ministeriums im Verkehr mit den: cmdern die eingetretene Wendung betlagen, sie als eine vorübergehende darstellen, auf eine baldige Wiederkehr des früher» Systems hindeuten, der Politik der Gegner dienen und die ihres Ministers untergraben? Als 1805 Oestreich deü Bruch mit Napoleon vorbereitete, da klagte Gentz, daß nicht auch die entsprechenden Aenderungen in den Personen vorgenommen, daß die Träger der schleckten Politik an ihren Stellen gelassen würden, <zne risn n'sst altsr^, in cl^ns 1s oadinst, ni ä^ns Iss Conseils, »i äans los bureaux. Er geht so weit, ans diesem Umstand auf ge­heime Einverständnisse mit Napoleon hinter dem Rücken der Verbündeten (Russen) und selbst der höchsten Staatsbeamte» zu schließen. . . il ost trss xossidls sjUL Lonavs-rts convaisss inisux 1öS äisxositions intimes äs es gouvsrns- mvut que tous les uimistrss äs 1a Russio st gus 1a Mpart mvms äss vriimixa-ux vsi'sonnagss (Is I'g.clministrg,tion. Es ist zwar kaum denkbar, daß eine solche Unbotmäßigkeit. vor welcher die Anarchie noch den Vorzug hat. daß sie nicht lange andauern kann, je irgendwo wieder vorkommen, daß sie nicht im. Keim, in ihren ersten Regungen erstickt werden würde. Aber gewiß wäre dies auch nothwendig, und es würde der bestimmtesten Jnstructionen und ernsten Einschreitens bedürfen; schwächliche halbe Maßregeln würden nicht genügen, um solchem Uufuge ein Ziel zu setzen. Eine besorg anisirte Di­plomatie- kann nicht anders als sehr schädlich sein, und müßte daher um