440
tes Gnaden"..sind. Die Treue der Unterthanen geht nicht aus einem abstracten Dogma, sondern aus den natürlichen Gewohnheiten der Liebe und Ehrfurcht hervor.
Die Kirche hat nicht selten darüber geklagt, daß die politischen Parteien sich in ihr Gebiet eindrängen, und gewiß sind diese Klagen vollständig zu rechtfertigen. Aber ist der entgegengesetzte Wunsch nicht ebenso gerecht? Sollte es für beide Theile, Kirche und Publikum, nicht ersprießlicher sein, wenn sich ihrerseits die Kirche um die Politik gar nicht kümmern wollte? „Mein Reich ist nicht von dieser Welt", steht geschrieben; und in der Anwendung: die Angelegenheiten der Staaten, ihre Entwicklung und Zerstörung, haben mit dem Katechismus nichts zu schaffen. —
:, !,, > U5.-:"' , >:' ^ 7,< ' ' , ^ -"''II'
Literatur.
Zur plattdeutschen Sprache und deren neue Literaturbcwegung. Von H. Eschen Hagen. — Berlin, Schotte. — Ein im Ganzen gemäßigtes und sachverständiges Urtheil. Die leidenschaftlichen Vorsechter des Plattdeutschen drücken sich zuweilen so aus, als wollten sie ihren Dialect als gleichberechtigt auch für die Schriftsprache neben das Hochdeutsche hinstellen; da doch das Plattdeutsche nicht unsere Entwicklung durchgemacht, keinen Goethe und Schiller gehabt hat. Viele von den modernen sentimentalen plattdeutschen Gedichten klingen wie aus dem Hochdeutschen übersetzt. Für gewisse Zweige der Literatur dagegen eignet es sich vorzüglich, da es noch ganz seine sinnliche Frische besitzt, während unser Hochdeutsch noch immer Spuren davon trägt, daß es zunächst von den Predigern und Magistern cultivirt wurde. — Zm Urtheil kommen wir mit dem Verfasser nicht immer übcrein; wir würden z. B. Fritz Reuter eine relativ höhere Stellung anweisen. —
Ueber Theater und Musik. Historisch kritische Studien von Alfr ed Freihe rr v. Wolzogen. — Berlin, Trewendt. — Aus verschiedenen Zeitschriften, namentlich der Allg. Z. wieder abgedruckt. Manches darunter (z. B. Adelheid Günther, Na- dcjda Bagdanoff und das moderne Ballet) kann wol nur ein vorübergehendes Interesse in Anspruch nehmen; dagegen sind die allgemeinen Bilder der deutschen, französischen und englischen Bühne sehr lesenswert!); im Einzelnen mag das Urtheil diffcrircn, im Allgemeinen begegnet man dem Urtheil eines erfahrenen Kenners. Die übrigen Aufsätze beschäftigen sich meist, und zwar polemisch, mit der sogenannten Zukunftsmusik, im Ganzen in der Richtung, die früher auch von den Grcnzbotcn vertreten wurde. Das principielle Interesse an diesen Fragen hat sich seitdem abgestumpft: factisch hat sich Richard Wagner auf allen deutschen Theatern einen Platz neben Mcycrbcer erobert, den er auch vollkommen verdient. Wenn etwas besseres an die Stelle tritt, werden auch diese Erscheinungen weichen; bis dahin wird man die künstlerisch edlere Richtung des Einen neben dem größeren Talent des Andern wol gelten lassen. ,
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Moritz Busch. Jerlag von F, L. Herbist — Druck von C. E. Elberl u, Leipzig-