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Partant pour la Syrie!
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zuschieben, so glauben wir doch, daß diese Version der Wahrheit naher kommt als die drei andern.

Fassen wir zunächst die italienische Frage ins Auge, so finden wir, daß die Whigs in derselben eine durchaus zusammenhängende, consequente Politik befolgt haben. Nur muh man nicht nach den Worten, sondern nach den Thaten urtheilen; denn daß Lord Palmerston oder Lord Russell die Leidenschaft hätten, überall die Wahrheit zu sagen von einer so schwärmerischen An­sicht sind wir weit entfernt.

Wahrend des Krieges hat Engtand alles gethan, was in seinen Kräften stand, Oestreich zu isoliren, und es ist ihm gelungen. Als es nicht länger möglich war, als Preußen bereit stand, den Krieg gegen Frankreich zu über­nehmen, wurde der Friede von Villafranca durch einen Papierfetzen beschleu­nigt, der von Downing - Street ausging. Nach dem Frieden hat England allen seinen moralischen Einfluß aufgeboten, daß die snrdinischen Annexionen zu Stande kamen. Es war dies Streben offen gegen Oestreich, iudirect aber auch gegen Frankreich gerichtet. Es würe Frankreich lieber gewesen, wenn Toscana ei» Staat für sich geblieben wäre. Freilich wußte das englische Cabinet im Voraus, daß Frankreichs Einwilligung in letzter Instanz nur durch die Abtretung von Savoyen und Nizza werde erkauft werden. England hätte das gern vermieden, aber es war entschlossen, im äußersten Fall^ diesen Preis zu zahlen. Das Mißtrauen des englischen Volks beschwichtigte man theils durch einige Redensarten, theils durch den Handelsvertrag. Kaum waren die Annexionen fertig, so ging das englische Cabinet gegen Neapel in einer Weise vor, die sich nur wenig von einem offenen Aufruf der Neapolitaner zum Auf­stand unterschied. Auch noch in diesem Augenblick, wo die neapolitanische Re­gierung in der äußersten Verzweiflung alles mögliche bietet, um nur das Fest­land zu behalte», weist Lord Nusset mit einer Ostentation, die gewiß ihren Zweck hat. jede directc oder indirecte Einmischung zurück.

Wer in allen diesen Dingen keinen Zusammenhang fleht, für den gibt es in der Geschichte überhaupt keinen Zusammenhang. Es ist der unverkennbare Wunsch der britischen Regierung, entweder ganz Italien oder wenigstens so viel davon als möglich unter der Herrschaft des König Victor Emanuel zu vereinigen, ein mächtiges und dauerhaftes Königreich Italien zu schaffen. Eng­land ist zwar nicht gesonnen diesem Wunsch große Opfer zu bringen, etwa einen Krieg deshalb zu führen, am allerwenigsten gegen Frankreich, aber es ist bereit, ihn durch alle Künste der Diplomatie zu unterstützen.

Man wird schwerlich behaupten können, daß dieser Wunsch den Interessen Englands entgegengesetzt sei. Eine der schwersten Drohungen für England ist die alte Behauptung, das mittelländische Meer solle ein französischer See wer­den. Gegen dieses Vorschreiten Frankreichs bedarf England eiües mächtige»