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Die preußischen gezognen Kanonen.
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Wir entnehmen das Folgende auszugsweise aus dem S. Heft von „Unsre Tage" (Brauuschweig, G. Westermann), einem Sammelwerk, welches wir wiederholt empfehlen. Die Construction gezogner Geschütze ist nicht neu. Man schoß schon in frühern Jahrhunderten aus Geschützen mit Zügen, bediente sich schon damals gelegentlich ob- longer und cylindrischcr Geschosse und hatte schon bei der Belagerung von Orleans, 1428, Kanonen, die man von hinten lud. Der erste, der in Blei gegossene Spitzkugeln aus einem gezognen Rohr zu schießen vorschlug, war der bayerische Obcrst- licutnant v. Reichenbach (181K). Sein Rohr halte sieben Züge und war von vorn zu laden. Die Drehung der Züge, der Drall, betrug einen vollen Umgang auf die ganze Nohrlängc. Sein Geschoß war ein vorn zugespitzter Blcicylinder, der auf der Oberfläche sieben Längenangüsse hatte, welche der Entfernung, der Gestalt und dem Drall der Züge entsprachen. Am hintern Ende hatte der Cylinder eine Aushöhlung, in welche ein Holzzapfcn eingesetzt war. Damit waren zwei Principien angewendet, die jetzt allgemein benutzt werden, das Princip des Pfeilgcschosscs und das der Geschoß- cxpansion. Jenes besteht darin, daß man den Schwerpunkt des Geschosses möglichst nach vorn zu legen sucht, während er bei Kugeln mit dem Mittelpunkt derselben zusammenfällt. Durch die pfcilartigc Spitze wird das Geschoß befähigt, den Widerstand der Luft besser zu überwinden. Das Princip der Expansion aber gründet sich darauf, daß bei jedem Geschoß, welches durch die Kraft des Pulvers aus einer Fcncr- waffe fortgeschleudert wird, der Hintere Theil sich eher in Bewegung setzt als der vordere, so daß eine Art Aufstauchung nach der Spitze zu erfolgt. Jener Holzzapfcn am hintern Ende des Neichcnbachschen Geschosses wurde also durch das Pulver in dasselbe hineingetrieben, während die Spitze noch in ruhender Lage verharrte, und hierdurch der cylindrische Theil des Geschosses genöthigt, sich seitwärts auszudehnen und mit seinen Angüssen in die Züge zu treten. Die Tragweite und Trefffähigkcit des Reichenbachschen Geschützes überstieg alle Erwartungen. Dennoch blieb die Erfindung unbenutzt, bis sie 1846 von dem sardinischcn Major Cavalli wieder aufgenommen wurde, welcher sie dadurch verbesserte, daß er eine Ladeweise von hinten in Vorschlag brachte, um den Schwierigkeiten zu begegnen, welche durch das Verschleimen des Rohres nach dem Schuß sür das Laden des nächstfolgenden Geschosses erwachsen. Er durchbohrte das Rohr in seiner ganzen Länge, so daß die Ladung von hinten in die „Seele" geschoben werden konnte. Quer durch das Hinterthcil (Bodenstück) des Rohrs war ein vierseitiger Ausschnitt angebracht, der nach dem Laden durch einen eisernen Keil verschlossen wurde. Zwischen Keil und Pulver wurde zuvor noch ein kleiner Einsatzcylinder vom Durchmesser der Seele eingesetzt. Ein an demselben angebrachter Kupferring hatte den Zweck, etwaige Fugen hermetisch zu verschließen. Der Einsatzcylindcr wurde durch eine Schraube, die auf den Keil drückte und hinten aus dem Rohr hervorstand, fest an den Keil angezogen, so daß keine stoßende Bewegung der einzelnen Theile aufeinander stattfinden konnte, was