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Ungedruckte Briefe v. Stägemanns.
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müssen Sie nicht verzagen. Aachens Heilquellen werden ihren wohlthätigen Einfluß im besten Alter des Lebens Ihnen nicht verweigern. Herzlich wünsche ich Ihre baldige gänzliche Genesung.

Hier ist ungemein theilnehmcndc Bewegung über den unerwarteten Un­fall des Königs.. Ein Beinbruch ist wol zu heilen, aber die monatliche Dauer der Kur, dabei der Mangel aller Bewegung und eine Menge von Aerzten sind zu überwinden. Das Gedränge der Menge, die sich Vormittags im Palais nach dem Befinden Seiner Majestät erkundigt, ist nicht zu beschrei­ben. Zwei Jäger sind beschäftigt, die Namen zu verzeichnen. Bis jetzt ist Alles gut gegangen und gewiß kommt keine Gesellschaft zusammen, die nicht ihr Lloä SÄVö tke King- mit aufrichtiger Theilnahme trinket.

Ihre Nachrichten über den dortigen Landtag sind mir sehr willkommen gewesen, weil man hier schon wunderliche Geschichten verbreitet. Jetzt erkläre ich mir eine absonderlich von der Stadt Trier bei Sr. Majestät eingegangene Petition um Beibehaltung der bisherigen Gesetzgebung und Gerichtsver­fassung.

Eben bemerke ich aber, daß ich Ihre Meinung falsch verstanden. Die Städte sind wol für und der Adel gegen das französische Recht, insofern es nämlich die Oeffentlichkeit des Verfahrens gilt. Und in so weit wäre ich auch für die Städte.

Den Hamburger Correspondenten lese ich gar nicht mehr, seitdem er von Berlin in Berlin geschrieben wird.

Von dem Münsterschen Landtage erzählt man, daß Alles recht gut ge­gangen sei, bis es an die Ablösungsordnung gekommen. Da sei der Teufel Unter die Abgeordneten gefahren, und der Minister Stein, der ihn nicht aus­zutoben verstanden, sei darüber krank geworden. Er will aber im Februar k. I. doch nach Berlin kommen; nämlich Stein, nicht der Teufel, der sich in Portugal befindet.

Bei der portugiesischen Frage kommen aber ganz eigene Ansichten unserer Ultras zum Vorschein. Das Volk gilt etwas, das eine vom legitimen Herrn gegebene Konstitution nicht will. Der Teufel scheint also doch nicht ganz in Portugal zu sein, was unsre Ultras zugeben, den er stecke zum Exempel in Ennning.

Die Geschichte der darmstädtischen Advokaten Rühl und Hofmann ist wunderlich. Sie waren in ihrem Vaterlande wegen demagogischer Um­triebe in Untersuchung, und es war in der Köpcnicker Untersuchung gegen hierseitige Demagogen ermittelt, daß sie mit diesen in Verbindung gestanden. Behufs der Confrontation wurden sie von der darmstädtischen Regierung nach Köpenick geschickt, wo man sie aber selbst zur Untersuchung zog, und so be­sonderes Wohlgefallen an ihnen fand, daß man sie, trotz aller darmstädtischen