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Reiseliteratur.
Rom und die Campcigna. Eine Skizze von M. v. Kalckstein. Berlin, 1860. F. Schneider. — Es gehört ein gewisser Muth und ein starkes Selbstgefühl dazu, über Rom noch ein Buch zu schreiben, wenn man darüber nichts anderes zusagen hat, als was schon zu hundert und aber hundert Malen über Stadt und Land gesagt ist. Das Buch enthält, einige kleine Erlebnisse ausgenommen, durchaus nichts, was nicht schon vor Jahren ebenso gut und besser geschildert wäre.
Drei Monate im Orient. Von einem Nordländer. Leipzig, Verlag von C. B. Lorck, 1860. Wir nahmen dieses kleine Buch mit einer gewissen Spannung in die Hand, indem der Titel das Wunder versprach, daß jemand binnen drei Monaten nicht blos Acgyptcn, Palästina, Syrien, Kleinasien und die Türkei, sondern sogar — Persien zu besuchen Zeit und Gelegenheit gefunden. Es war natürlich nur auf dem Titel etwas davon zu lesen, der Verfasser müßte denn meinen, als er in Alcxandrctte auf einige Stunden am Lande war, persischen Boden betreten zu haben. Im Uebrigen ist die Schrift eine oberflächliche, ziemlich farblose Relation dessen, was man in nicht ganz dritthalb Monaten (mehr als zwei Wochen sind aus das Meer abzurechnen) in den erwähnten Ländern sehen kann. Wer dort gewesen, weiß, wie wenig das ist.
Aus der Moldau. Bilder und Skizzen von W. v. K. Leipzig. C. B. Lorck, 1860. — Recht ansprechende lebendige Schilderungen von Land und Leute», Gebirg und Ebne im Nordostcn des zukünftigen Reichs Romainen. Der Verfasser hat augenscheinlich lange Zeit in dortiger Gegend gelebt, er versteht die Sprache, die Sitten und den Charakter des moldauischen Volkes gründlich, und wenn ihm seine Begeisterung für die Zukunft der Donaufürstcnthümer und, fügen wir hinzu, sein gutes Herz bisweilen mehr Lob als Tadel in den Mund legt, so übersieht er mit seiner scharfen Beobachtung auch die dunkeln Punkte nicht. Das erste Kapitel erzählt ein hübsches Beispiel von der Art, wie man in der Moldau die Bären jagt, das zweite sührt uns in eines der großen Nonnenklöster des Landes, .das dritte in einen dortigen Badeort. Das vierte gibt in einer Dorfgeschichte ein Bild von den Zuständen des Moldauer Landvolkes, das sünftc und letzte führt uns auf den berühmten Elias- jahrmcirkt, der alljährlich am 20. Juli a. St. im Städtchen Foltitscheni abgehalten wird, und malt dabei einige erbauliche Züge in der Physiognomie des moldauischen Becuntcnthums.
Mit Nr. 27 beginnt diese Zeitschrist ein neues Quartal, welches durch alle Buchhaudluugen und Postämter zu beziehen ist.
Leipzig, im Juni 1860.
Die Werlagshandlung.
Herausgegeben von Gustav Freytag und Julian Schmidt. Verantwortlicher Redacteur: vr. Moritz Busch Verlag v-ni F. L, Herdig — Druck von C. E. Elbert in Leipzig.