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Eine Zuschrift in Sachen des Schillervereins.*)
Endlich ist in Sachcn des Schillcrvcreins (Grcnzboten Nr. 20.) ein vernünftiges Wort gesprochen worde. Öffentlichkeit, unbedingte Öffentlichkeit — das ist die richtige Auskunft zu Gutzkows richtigem Bedenken. Gleichzeitig aber wundere ich mich, daß ein anderes praktisches Schlagwort noch immer nicht genannt worden ist. Man spricht fortwährend nur von „Unterstützung", umschreibt es höchstens durch das euphemistische „Ehrensvld", während doch der Begriff selbst zu beseitigen ist. Warum statuirt man dcu Schillerverein nicht kurzwcg als V orschuß- bank und als P en sionssond? °Vorschußbank für aktive, Pensionssond für quiescirte Schriftsteller. Was mich betrifft, ich hätte als Gründer des Vereins nicht das Herz der Nation zu rühren gesucht, nicht, wie es allerdings geschehen ist, an die Sentimentalität appcllirt, überhaupt den Charakter der Privat-Wohlthätigkcit mir gar nicht einsallen lassen, sondern kühl und trocken also gesprochen: der Handwerksmeister, welcher für euch arbeitet, thut es mit Hilfe von Lehrlingen und Gesellen, wenn er stirbt, erbt sein Geschäft die Witwe. Der Beamte, welcher für euch arbeitet, thut es unter Beihilfe von Praktikanten, wenn er krank und alt wird, pensionirt ihn der Staat, wenn er stirbt, pensionirt der Staat seine Familie. Eine dritte Kategorie von Arbeitern aber, und — wie euch Schillers Vorgang zeigt — just die edelste, nämlich der geistige Arbeiter, der Schriftsteller ist nicht so günstig gestellt. Der Schriftsteller kann nicht wie der Handwerksmeister eine glückliche Geschäftsconjunktur mittels Gesellen ausbeuten, er kann seine Witwe nicht durch Vererbung des Geschäfts versorgen, er genießt auch nicht, wie der Beamte, weder für sich noch die Scinigen eine Staatspension. Also u. s. w. Ich denke das wäre für den reellen deutschen Geschäftsmann verständlich gewesen. Da er selber ein Arbeiter ist, so hätte diese Analogie mit andern Arbeitsverhältnissen seinen Verstand getroffen, und er hätte erkannt, was hier seine Pflicht ist. Statt dessen hat man es vorgezogen, nach Reminiscenzen von Lorenz Kindlein und Lorbeerbaum und Bettelstab das Gefühl zu erregen und der Pflicht den guten Willen zu substituiren. Dadurch wurde der Charakter des Schillervereins, wie mir dünkt, schon von vornherein verrückt. Allerdings contribuirte jetzt auch noch die Nation; aber man hatte die ganze Nation gewissermaßen in eine almoscngcbende Privatperson verwandelt, den Privatcharakter betont, die Öffentlichkeit, das nothwendige und legitime Attribut einer solchen Anstalt verdunkelt. Natürlich mußte man aus diesem falschen Wege mit Konsequenz fortfahren, und so hat mau denn auch gegenüber dem empfangenden Schriftsteller, der aus einem Nationalpensionär ein verschämter Hausarmer geworden war, die strengste Discrction zum Prinzip erhoben. Discrction! Aber hat man je eine Regierung gesehen, welche ihre Beamte unter dem Siegel der Discrction pcnsionirte? Ist es je ein Gegenstand der Discrction gewesen, die nationale Arbeit durch Gewerbebanken, Creditkasscn, Schutzzölle und all jene tausend „wohlthätigen" Institutionen, deren sie faktisch genießt, zu crmuntern und zu befördern?
Ich habe einen Roman geschrieben: „der Amerika-Müde." Die Arbeit erfor-
*) A n m. der Red. — Wir theilen diese uns eingesandte Zustimmung mit, da sie den Gegenstand von einer neuen Seite beleuchtet.