Beitrag 
Das Leipziger Gewandhaus im Winter 1859-60. 1.
Seite
293
Einzelbild herunterladen
 

ZS3

Das Leipziger Gewandhaus im Winter 185960.

WMdtzL' :,Ätt?7f, 'i.-il''ttl),'-!!k 'jt'Ü^M ^sltt iMsiiottp-Kl,«!.',-' ^ -? ^'^ 4«!

Die diesjährige Concertsaison ist nun vorüber, und wir geben im Fol­genden einen Rückblick auf die bedeutenderen Erscheinungen derselben.

Daß Julius Rietz nunmehr seine Stelle am Gewandhaus« niedergelegt und Leipzig verlassen hat. um der Berufung als Hofkapellmeister nach Dres­den zu folgen, ist bekannt und wird hier mit Recht allgemein bedauert. Sein Wirken als Lehrer der Composition am Conservatorium und Dirigent der großen Concerte, früher auch als Thenterkapellmeister, sichert ihm das ehren­vollste Andenken; besonders hat das Gewandhaus seiner Leitung die Erhal­tung des Orchesters auf einer hohen Stufe zu danken.

Bei der Wiederbesetzung seiner Stelle werden, wenn die Wahl auf einen Mann von tüchtigem Wesen fällt, jedenfalls einige Modifikationen des bis­herigen Princips eintreten, wenigstens sind solche in vielen Beziehungen zu wünschen. Zuerst ist unverkennbar, daß die Concertprogramme einer gründ­lichen Auffrischung und einer Erweiterung des Kreises, in dem man sich nun schon seit Jahren unabänderlich bewegt, bedürfen. Auf der einen Seite ist die Vernachlässigung älterer Kunstperioden ein Mangel, während auf der an­dern das strenge Ausschließen aller Zeiterscheinungen, die Jgnorirung aller nicht auf rein conservativem Gebiet entstandenen Tonwerke der Gegenwart nur eine bedingte Berechtigung hat. .Daß mit letzterem nicht gesagt sein soll, das Gewandhaus möge von seinem seit Jahren fruchtreich bebauten classischen Boden auch nur einen Fußbreit opfern, versteht sich von selbst, daß man mit der Aufführung neuer Werke sehr vorsichtig ist, muß jedermann ganz in der Ordnung finden. Es steht fest, daß das Institut nicht die Aufgabe hat, mit Erzeugnissen von unzulänglichem oder zweifelhaftem Werth Experimente zu machen und jedem hie und da auftauchenden Nebelgebilde die Thür zu öffnen. Wol aber sollte man sich vor einer Erstarrung im Hergebrachten, vor der all­jährlich in schablonenhaft ähnlicher Weise sich wiederholenden monotonen Form der Programme hüten und bedacht sein, in diese Eintönigkeit wieder mehr Leben und Wechsel zu bringen.

Dazu wäre das Zurückgreifen in frühere Perioden der Instrumental- wie der Vocalmusik ein ersprießliches Mittel. Ist die erstere auch ein weniger er­giebiger Quell, so würde er die Mühe der Eröffnung dennoch reich genug lohnen. Von Bach wird einzig eine Suite gemacht, und sie entzückt jedermann so oft sie auch wiederkehrt, ohne daß man darin ein Mahnung erkennt, weitere Versuche anzustellen. Um nur das Nächstliegende zu erwähnen, sind schon die