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Preußen und der deutsche Bund.
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Preußen und der deutsche Bnnd.

Von der preußischen Grenze.

Beginnen wir mit dem erfreulichsten Ereigniß der letzten Woche. Die Preußische Regierung hat in Bezug auf den unangenehmsten Conflict, der zwischen ihr und dem Volke sich zu erheben drohte, in Bezug auf die neue Militärorganisation die Hand zum Frieden geboten. Indem der Finanzminister für die augenblicklich nothwendigen Ergänzungen des preußischen Heeres einen Zuschlag von 9 Millionen verlangte, hat er zugleich offen erklärt, daß die Frage über die definitive Feststellung des Militärwesens vertagt werden solle: beide Theile, die Negierung wie die Volksvertretung, seien in diesem Augen­blick zu aufgeregt, um einen gedeihlichen Abschluß der Verhandlungen hoffen zu lassen; nach Ablauf eines Jahres werde man auf beiden Seiten ruhiger sein und es werde an Mitteln zu einer Verständigung nicht fehlen.

Zwar Hütten wir gewünscht, die Regierung wäre noch einen Schritt weiter gegangen und hätte den Gesetzvorschlag über die Organisation der Armee für dieses Jahr ganz zurückgezogen; da aber die Worte des Ministers gar keine andere Auslegung verstatten, so sind wir auch mit dieser Form zufrieden.

Seinerseits wird der Landtag keinen Anstand nehmen, die für die jetzigen Bedürfnisse geforderten 9 Millionen im vollen Umfang zu bewilligen. Was die Verwendung derselben betrifft, so hat die Regierung an das Vertrauen des Landtags appellirt und, wie sich von selbst versteht, nach Ablauf eines Jahres eine vollständige Rechnungsablegung versprochen. Das ist die richtige Form; denn eine öffentliche Discussion über das, was man für die Armee anschaffen will, wäre angesichts der Feinde ganz unthunlich. Wenn es aber jemals eine Zeit gab, wo Preußen nöthig hatte, mit äußerster Anspannung aller seiner Kräfte sich auf die Gefahren des nächsten Tages vorzubereiten, so ist dieser Augenblick jetzt gekommen.

In Besprechung der Landtcigsdebattcn über die kurhcssische Frage haben wir vor allem auf eins aufmerksam zu machen gesucht: daß die Situation sehr ernst ist und mit dem äußersten Ernst behandelt werden muß. Diese Ermah­nung scheint uns auch heute noch nicht überflüssig, nachdem die zweite große

Grenzboten II. 1860. . 3 1