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Von der preußischen Grenze.
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Von der preußischen Grenze.

Die Wiener Blätter schildern wetteifernd das Entsetzen und die Niedergeschlagen­heit, die sich auf die plötzliche Kunde vom Selbstmorde des Minister v. Brück der Hauptstadt bemächtigt habe. Es ist das vollkommen verständlich, schon aus rein menschlicher Theilnahme: denn Brück galt nicht nur für den geistvollsten und be­gabtesten, sondern auch für den im besten Sinne des Wortes freisinnigen Staats­mann Oestreichs; wenn Jemand im Stande wäre, die heillose Verwirrung der öst­reichischen Finanzen zu lösen, so traute man es ihm zu. Dabei war er durch seine Persönlichkeit auch in den bürgerlichen Kreisen, aus denen er hervorgegangen war, in seltenem Grad geachtet und beliebt. Und nun von dieser Höhe ein so entsetz­licher Fall! Man trug sich mit den unsinnigsten Gerüchten; man wollte von einer aristokratischen Cabale reden; aber, so wenig man auch noch berechtigt ist, in einer ganz verworrenen Sache von feststehenden Thatsachen zu reden der Selbstmord spricht zu stark, um einen ernstlichen Zweifel zu lassen, wie die Sache steht. Wem soll man nun noch trauen? Der Boden wankt unter den Füßen!

Dies ist die andere sehr ernste Seite des Ereignisses, die sich außerhalb Oestreich in fast nicht geringerer Stärke fühlbar macht. Man hat seit langer Zeit nicht blos über die östreichische Finanzverwaltung, sondern über die östreichische Verwaltung überhaupt im Ausland die allerdüsterstcn Ansichten, aber es scheint, als ob die Wirk­lichkeit noch schlimmer sei. Das persönliche Mitgefühl konnte anderwärts nicht so groß sein als in Wien oder Trieft; aber der Schreck ist nicht viel geringer. Man erinnere sich an die Jahre, die unmittelbar der Februar-Revolution vorausgingen: wie ein Unterschleif nach dem andern, eine Unthat nach der andern in den Kreisen der höchsten Gesellschaft zum Vorschein kam, wie man bei jeder neuen Entdeckung sich angstvoll fragte, was steht denn nun zunächst bevor? wie Lamartine, der Neben vielen Schwächen auch die große Gabe hat, sehr treffende Stichwörter zu finden, zuerst sich äußerte: lg, I^anes s'ennuiö! und dann nach kurzem Zwischen­raum: Is, Kranes »'attrists! Auf Oestreich würde schon das zweite Stichwort an­wendbar sein, und die allgemeine Niedergeschlagenheit und der allgemeine Unmuth find sehr gefährliche Symptome für den Staat.

Es ist ganz in der Ordnung, daß die Regierung im Verein mit den Gerichten >n dieser Angelegenheit, die viel weiter verzweigt zu sein scheint, als man je hätte ahnen können, die rücksichtsloseste Strenge anwendet. Oestreich muß einmal seine Wunden, die bisher immer verhüllt waren, mit scharfer Sonde untersuchen. Aber >n einem Punkt täusche man sich nicht: diese Untersuchung wird nichts anderes auf­decken als blos die Symptome der Krankheit; die innern organischen Schäden und Gebrechen bleiben den Augen des Gerichts verborgen. Wie müssen die Verhältnisse eines Staats beschaffen sein, die es möglich machen, daß so etwas vorkommt? die °s möglich machen, daß Männer von anerkannter Rechtschaffenheit im Privatleben °uf solche Gedanken gerathen? Das ist der Punkt, auf den es ankommt.

Leider ist dieser Punkt allgemein bekannt, nur da nicht, wo er zuerst bekannt snn sollte, an maßgebender Stelle. Alle Welt kennt den Grund der Schwäche eines