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hofften unsere luftigen Wohnungen an einem der vielen lieblichen Punkte, welche die Umgegend von Nablus darbietet, ausstellen zu können.
Kaum war unser Gepäck eingetroffen, als wir aufstiegen, um den kleinen Rest unsrer Reise zurückzulegen. Zwei einander gegenüberliegende Schluchten erweitern westlich von der Quelle den Sattel, und ebenda beginnt die herrliche Olivenpflanzung, durch welche unser Weg bis zur Stadt führte. Die einheimische Sage verlegt den ursprünglichen Ort unter diese Bäume und allerdings besteht der Boden daselbst aus mit vielen Füllsteinen untermischter Schuttcrde. Ein mühsam zusammengetragener, jetzt altersgrauer Hause jener Schutterde am Fuße des Ebal bezeugt durch seine Ausdehnung die Anstrengung früherer Jahrhunderte, diesen Ruinenboden sür den Anbau zu erobern.
Wir waren der Stadt schon nahe, als die ersten Häuser und Minarets uns durch die Zweige entgegenglünzten. Doch nun machte sich eine andere Schwierigkeit geltend. Von unserer Reisegesellschaft war nur ich früher in Nablus gewesen, aber nicht lange genug um sogleich einen von der Straße entlegener» Punkt für unser Lager bestimmen zu können, und die Olivenhaine im Osten und Westen der Stadt, unter welchen die Karawanen zu nächtigen pflegen, bieten sür längeren Aufenthalt schon wegen der Entlegenheit des Wassers große Unbequemlichkeit. In unserer Verlegenheit bemerkten wir die hohen schattigen Bäume eines sich an die nordöstlichsten Häuser der Stadt schließenden Gartens, an dessen nur wenige Fuß hohen Steinzaun wir sofort heranritten. Dort harrte unser zunächst ein unfreundlicher Empfang. Eine Anzahl arabischer Frauen und Mädchen, welche unverschleiert in ihrer Haustracht, theils mit Kindern spielend, theils mit Handarbeit beschäftigt, des Gartens genossen, fuhr bei unserm Anblick erschreckt auf, barg sich vor unsern Blicken in einer Laubhütte und griff uns von da mit scharfen Reden an, aus welchen wir soviel verstanden, daß wir verfluchten Ungläubigen uns aus der Nähe eines Harems wegscheren sollten. Wir ließen uns dadurch nicht abschrecken, und auf unser Zureden trat bald eine Alte, das ergraute Haar nach Landessitte brandroth gefärbt, aus dem Versteck hervor, und erkundigte sich nach unserm Begehren. Wir trugen ihr den Wunsch, in dem Garten unsre Zelte auszuschlagen, vor, und verschwiegen dabei nicht, daß es unsre Absicht sei für diese Erlaubniß hernach ein Bachschisch verabfolgen zu lassen. Bachschisch, das Sesam thu dich auf aller orientalischen Herzen! Die Alte gedachte bei dem süßen Klänge sofort einer englischen Reisegesellschaft, welche ebenso in dem Garten campirt und sich durch ihre thätlich bewiesene Erkenntlichkeit ein unvergängliches Denkmal in dem Gemüthern der Beschenkten aufgerichtet hatte. Diese ihre Wohlthäter preisend, bat sie uns abzusteigen und zeigte uns einesteils der Mauer, welche sie el Bab, die Thüre, nannte, indem einzelne vorspringende Steine in dem ohne Mörtel aufgeführten Baue die Möglichkeit nicht allzu-