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Napoleon III. und die Stimmung in Deutschland.
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Napoleon III. und die Stummmg in Dentschland.

Der Argwohn, in welchem die Deutschen über den Rhein auf Person und Pläne des Kaisers Napoleon sehen, ist mit einigen andern Empfindungen verbunden. Zunächst freilich mit widerwilligcr Achtung, welche eine feste Manneskraft sich auch bei dem Gegner erringt. Daneben aber läuft ein ge­wisses ironisches Interesse, sehr ähnlich der schmeichelhaften Laune, womit das Volk des Theaters den Erzintriguanten und Bösewicht eines Stückes betrachtet. Auch wer tiefere Erwägungen schätzt, wird mit dramatischer Spannung die Handlungen eines Menschen verfolgen, der das größte tragische Schicksal sich und Andern schaffend nllmälig den dunklen Dämonen seines Lebens verfällt. Vielleicht ist grade jetzt, wo der Kaiser auf der Höhe seines Ruhmes und glänzender Erfolge steht, aus der Wolke über ihm die Hand des Verhängnisses sichtbar, welche, wir ahnen es. langsam nach seinem Haupt herniedergreift, ver­wirrend, sinnbethörend, um ihn fortzuziehen zum Verderben in derselben Richt­ung, die er scheinbar so frei und mit so viel Willkür sich erwählt hat.

Wol steht der Kaiser auf der Höhe seiner Macht. Riesengroß sind die Fortschritte seit dem letzten Jahre. Er ist durch einen beispiellos glücklichen Krieg mit feinem Heere zusammen gewachsen; er hat bei einem vielleicht mäßigem Feldherrntaicnt die stolze Erfahrung gemacht, daß auch auf dem Schlachtfeld in den Stunden der furchtbarsten Entscheidung seine Nerven und seine Willenskraft immer noch stärker sind, als die gewöhnlicher Gegner. Wie den Krieg, so hat er Europa den Frieden dictirt, plötzlich, ganz nach per­sönlichem Gutdünken. Mit einer Kühnheit, die nicht ohne Größe war. hat er seine Sicgcrstellung in Frankreich selbst benutzt, sowol den Ullramontanen als den Schutzzöllnern eine Kriegserklärung zu machen. Er hat nach Außen die Zerfahrenheit und Rathlosigkcit der europäischen Großmächte gründlich kennen gelernt und hat jetzt bereits gegen die stille Ansicht zu kämpfen,

Grenzboten II. 18V0, 11