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Von der preußischen Grenze.
Unsere Abgeordneten sind im Begriff, sich in den Ostcrfcrien von ihren Ge schästen zu erholen. Die Gcmüthsstimmung, welche sich als Resultat ihrer bis« herizen Arbeiten ergibt, kann keine sehr ersrculichc sein; keine der großen Fragen, um die es sich handelt, ist gelöst, und der eigentliche Mittelpunkt ihres Wirkens und Schaffens ist in Frage gestellt.
Beginnen mir mit der großen Politik. Sie hat sich zwar diesmal auf den engen Umkreis zweier Departements in den Alpen eingeschränkt, aber auch in diesem kleinen Umkreis enthält sie noch Funken, die zu einem Wcltbrand hinreichen würden. Ueber das gute Recht der Schweiz ist kein Zweifel. Die Neutralität der beiden Departements war der Schweiz garantirt. und wenn Frankreich und Sardinien sich in dem Vertrage, der den Uebcrgang Savoycns an Frankreich constntirt, dazu verpflichten, in dieser Beziehung keine Veränderung eintreten zu lassen, so ist das eine leere Phrase; denn der Begriff der Neutralität, auf die Provinz eines mächtigen Militärstaats angewandt, bedeutet gar nichts. Eben so unzweifelhaft ist es, daß die Großmächte verpflichtet wären, für die Aufrechthaltung der Neutralitnt von Fau- cigny und Chablais Sorge zu tragen. So wenig wir an die Wahrhaftigkeit der von Frankreich ausgehenden Actenstücke glauben, so meinen wir doch, daß die früheren Erklärungen Thouvenel's. jene beiden Departements sollten an die Schweiz abgetreten werden, keine offene Lüge waren. Napoleon hatte Europa mehr Widerstandskraft zugetraut als es wirklich zeigte; zwar meldet eben der Telegraph von einer Collectiv-Note der Mächte — das erfreulichste Ereigniß von der Welt, wenn es wahr wäre — wir müssen aber bekennen, daß wir nicht verstehen, wo diese herkommen soll, da nach allem, was vorhergegangen ist, Oestreich und Nußland sich an einem solchen Act nicht bethciligen wollen. An eine Erklärung Preußens, etwa in Gemeinschaft mit England, die über die einfache Mißbilligung hinausginge, können wir nicht glauben, da Preußen in diesem Conflict mit Frankreich ganz allein stehen würde. Aus England ist gar nicht zu rechnen, und die Rodomontaden, die letzt im Parlament gehört werden, flößen uns nicht den geringsten Respect ein, da das Ministerium seit wenigstens einem halben Jahr über den Ausgang der Sache nicht m Zweifel sein konnte, da die öffentliche Meinung trotz aller Schmähungen auf Napoleon fortfährt, jeden Minister ins Irrenhaus zu sperren, der wegen jener beiden Departements mit Frankreich Krieg führen wollte, und da man mitten unter jenen Rodomontaden mit dem großen Alliirten über einen neuen maritimen Vertrag in Unterhandlung tritt. Wenn nicht ein ganz unerwarteter Umschwung eintritt, so scheint uns jener Punkt für Europa verloren.
Die Einheit Deutschlands, Frankreich gegenüber, steht auf schwachem Füßen als je. Ueber die preußischen Anträge wegen der Bundeskricgsvcrfassung verlautet noch nichts; dagegen wirft der Ausgang der kurhcssischen Frage ein erschreckendes Licht aus die Hoffnungen unserer nächsten Zukunft. Der preußische Antrag ist mit einer großen Majorität verworfen, und dagegen, mit einigen Modificationcn, die Rechtsbeständigkeit der Verfassung von 1852 ausgesprochen; Preußen hat sosort eine