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Ungedruckte Briefe Gneisenaus.
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7.

Berlin den 23, Juni 1817.

Sie thun mir Unrecht, wenn Sie meinen/ daß ich eine sträfliche Freude daran habe, wenn meine Freunde öffentlich angegriffen werden; ich bin egoistisch genug, dieses nur unseren Gegnern, den Verfinsterern, zu gönnen. Bei dem Oppositionsblatt und der Nemesis ist mir offenbar, daß sie die Talente des Beobachters noch mehr scheuen, als seine Grundsätze. Der Artikel in Nr. 142 des Oppvsitionsblattes ist übrigens recht über die Erlaubniß schlecht geschrieben.

Der Staatskanzler hatte die letzteren Nummern des Beobachters gestern noch nicht gelesen und ist darum noch in einigem Groll gegen Sie befangen, dessen letzten Rest ich wegzutilgen strebte.Er müsse noch mündlich mit Ihnen verhandeln," meinte er. Auch er hatte seine Freude daran, daß Sie von den Jacobinern angegriffen werden. Machen Sie sich demnach auf eine Unterredung gefaßt. Ich müßte mich sehr irren, wenn es nicht jetzt in Ihrer Macht stehe: eine preußische große Staatszeitung zu schreiben; freilich wol mit Bedingungen. Wollten Sie hierauf eingehen, so wäre es hohe Zeit, an die Artikel des Trakiates zu denken. Guten Morgen!

v. Gneiscnau.

9.

Berlin den 11. December 1817.

Entschuldigend muß ich vor Ihnen hintreten, mein verehrter Herr Doktor, daß ich Ihr wohlwollendes Schreiben so spät und in eilender Kürze beant­worte. Ueber die vielen Bittstellenden habe ich die Freunde vernachlässigt und jenen früher als diesen geantwortet. Wären Sie nicht Besitzer von Brüg- gen, sondern ein darbender Gelehrter, so hätten Sie früher Antwort erhalten, an der übrigens weder dem reichen, noch dein gelehrten Professor nicht viel gelegen zu sein braucht.

Ich bin nun wieder in die Hauptstadt eingezogen. Wie gegen den Winter immer, so auch diesmal, ist viel unruhiges Redens hier. Ungebühr­liche Forderungen auf der einen, wenig begründeter Argwohn auf der ande­ren Seite.

Iliaeos intra irmros peeelltur et extra. Ich setze diesen Vers her. um Ihre Behauptung zu bestätigen, daß die­jenigen, die am wenigsten vom Latein verstehen, am meisten davon zur Schau tragen.

In Wien wird die Wartburgische Studentengeschichte noch tragischer ge­nommen als hier. Der Graf Zichy hat den Austrag erhalten, nach Weimar zu reisen, und den Großherzog zur Rede zu stellen wegen seines Betragens bei diesem Vorfall. Graf Zichy wird wohl thun, wenn er dem Herzog nicht nach Tische, sondern lieber vorher, den Verweis ertheilt.