Beitrag 
Das englische Blaubuch über Italien.
Seite
410
Einzelbild herunterladen
 

410

hinter der freien Hand verbirgt, wie bei Hrn. v. Mcmtcuffel in der orientalischen Frage. Wir können uns mit der Politik des Hrn. von Schleinitz nicht befreun­den, entweder gegen Frankreich im Interesse des gefährdeten Gleichgewichts oder aufrichtig neutral, man hat zu viel oder zu wenig gethan und deshalb nichts erreicht. Es ist hohe Zeit, daß die preußische Negierung in den euro­päischen Verhältnissen handelnd auftrete, damit nicht ihre Gegner mit der Behauptung Recht bekommen, daß die Liberalen keine auswärtige Politik zu treiben wüßten. Das preußische Volk würde die großen Lasten der Erhö­hung des Militärbudgets auf sich nehmen, aber es darf nicht geschehen, damit nur so viele Tausende mehr auf der Parade erscheinen.

M.

Aesthetische Streisziige.

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die durch das Schillerfest hervorgebrachte Strömung wieder in das natürliche Bett zurückkehrt. Für die unbefangene Würdigung Schillers ist diese Strömung eher nachtheilich als förderlich gewesen. Da im allgemeinen Bewußtsein fest stand, Schiller sei das Ideal der Poesie und allenfalls das der deutschen Nationalität überhaupt gewesen, und da man in jeder auch der beschränktesten Localität sür nöthig erachtete, diesem Bewußtsein neuen Ausdruck zu geben, so war es ganz natür­lich, daß jeder Sprecher sein eigenes Ideal ausmalte und dieses mit dem großen Namen Schillers taufte. So ist es nicht selten vorgekommen, daß man gerade solche Eigenschaften als rühmlich für Schiller bezeichnete, die er am wenigsten besaß. Uebrigcns geschieht das in jedem größern Volksfest und wird im natürlichen Lauf der Zeit wieder berichtigt. Vorläufig führt uns der Buchhandel noch immer die Spuren der alten Strömung zu. Die Schillerfeier der alten und neuen Welt (Leipzig. Lorck) gibt ein Ne- sumv aller Festlichkeiten jenes Tages, noch weiter geht das Schillerdenk­mal (Berlin, Riegel, Volksausgabe erste Lieferung), welches alle Reden jener Tage oder wenigstens die merkwürdigsten zusammenzustellen gedenkt. Director Lösch in in Danzig hat „Mittheilungen aus der Bildungsgcschichte Goethes und Schillers" gegeben, Märkcr in Berlin den 10. Nov. lyrisch verherrlicht und Nießer in Hamburg eine Festrede gehalten, die bereits in 2. Auslage