251
stalten den Mund etwas vollnehmen und daß die Thatsachen den hochtrabenden Worten nicht entsprechen.
Wir wollen diese militärischen Angelegenheiten hier vorläufig bei Seite lassen und zum Schlüsse dieses Artikels nur noch des weitern diplomatischen Schrittes gedenken, welchen die vier Länder Anfangs October thaten, um ihre Vereinigung in beständigem Hinblick auf den Anschluß an Piemont zu vollenden. Um diese Zeit traten Farini für Parma und Modena, Ricasoli für Toscana, Cipriani und Minghetti für die Romagna zusammen, um sich über die besten Wege zu dem vollen Anschluß an Piemont zu besprechen. Hier ward ausgemacht, daß man eine gemeinsame Regentschaft über die vier Länder aufrichten und dieselbe dem Vetter des Königs Victor Emanuel, dem Prinzen von Carignan, Eugen von Savoyen antragen wolle. Dieser Beschluß schließt eine Krisis in der italienischen Angelegenheit in sich, und wir werden daher späterhin, in der Zeit, da er zur Ausführung kommen sollte, noch manches von ihm zu reden haben. Für jetzt begnügen wir uns, ihn zu erwähnen. Im nächsten Artikel werden wir zuvörderst einige Blicke auf die inneren Angelegenheiten der vier Länder werfen.
W. Rüstow.
Von der preußischen Grenze.
Wenn man diesmal der Session des preußischen Landtags mit größerer Spannung entgegensieht als je, so liegt der Grund zum Theil in dem dunklen aber allgemeinen Gefühl, daß die deutschen Zustände aus dem Dämmerleben, in welchem sie sich mehr als ein Menschenleben bewegt haben, heraustreten und immer schneller einer Entscheidung zueilen. Immer lauter wird die Ueberzeugung bei Freunden wie bei Gegnern, daß die bisherige Stellung Preußens zum übrigen Deutschland nicht mehr haltbar, und daß nach der einen oder anderen Seite hin eine entscheidende Veränderung eintreten muß.
Als Friedrich der Große 1740 den alten Reichskörpcr zu zertrümmern anfing, betrachtete man es von östreichischer Seite zwar als eine Rebellion, im deutschen Volk dagegen wurde der Name des großen Königs, namentlich nach den Thaten des siebenjährigen Kriegs das Stichwort für den deutschen Nationalruhm. Nach dem Frieden von Hubertsburg begann Oestreich im Wesentlichen denselben Weg einzu-