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Ein deutscher Reisender über die Mormonenstadt in Utah.
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durchaus nichts zu finden; sie besitzen höchstens den Fanatismus der Selbstsucht und des Ehrgeizes, des an der Spitze Stehens der beschränkten und unbeschränkten Köpfen eigen ist in Utah und außerhalb. Selbst Brigham Uouna/ist nichts weniger als ein ungewöhnlicher Mensch. In einer stundenlangen Unterhaltung, die ich mit ihm hatte, fand ich in seinem Urtheil über die mannigfaltigsten Gegenstände weder Kenntnisse noch ungewöhnlichen Verstand, doch besitzt er großes administratives Talent, was in Amerika nicht grade eine Seltenheit 'st, eine gute Portion sdrewäness und kennt seine Herde vortrefflich. Zudem hat eine mystische Lehre mit hochklingenden Versprechungen zeitlicher und ewiger Wohlfahrt zu allen Zeiten den unwissenden, gedankenlosen Menschen ^fesselt, und was dem gebildeten, denkenden Menschen als eine unver­antwortliche Blasphemie erscheinen muß, ist der unklaren Anschauungs- Und Denkweise des großen Haufens oft gradezu angepaßt und willkom­men. Wie aber auch der thörichtste Glaube, wie religiöser Fanatismus ver­mag starke Le-idcnschaften in den Menschen zu unterdrücken oder wenigstens zurückzuhalten, davon kann man zahlreiche Beispiele unter der Frauenwelt ^tahs finden. Im Allgemeinen sind die Frauen in Utah der Lehre von der ^uiralität (pluralit^ nites) entgegen, viele sind indessen ganz damit ein­verstanden, ich habe sogar mehre den Wunsch aussprechen hören, ihre Männer Möchten noch einige Weiber mehr nehmen, denntlre inore vitss tke inore ^vg.ijvn^ sagten sie; das Weib kann nämlich der Lehre der Mormonen zu- ^ge nur durch den Mann selig werden, und es ist daher die Pflicht des Cannes, so viele als möglich zu salviren. Der psychologisch merkwürdigste ^ll von Bekehrung, welcher mir unter den Mormonen vorkam, war der ^er englischen Familie, wovon die Frau und ihre zwei erwachsenen Töchter ^ Religion der Mormonen übergingen, während der Vater unbekehrt blieb, ^er aus Nachgiebigkeit und des lieben Friedens wegen mit nach Utah zog.

wd zwei Männer übereingekommen, daß sie die eine oder die andere ^rer Weiber vertauschen wollen, so erklären sie dem Propheten, oder einem >^ner Stellvertreter, daß sie eine Offenbarung gehabt hätten, der zufolge sie ^e Weiber nicht salviren könnten, glaubten aber, daß der oder jener es thun °nne. Der Betreffende hat natürlich ebenfalls eine Offenbarung gehabt, durch elche jhm fund wurde, daß er der wahre Salvator sei, und daß Ab- und .segeln hat weiter keinen Anstand. Nur die erste Frau hat in dem Haus- ^ des Mormonen die Stellung einer Hausfrau, nur sie ordnet alles an, conimandirt die folgenden Nummern. Während sie den Namen ihres "nnes trägt, werden die andern Frauen nur mit dem Vornamen, höchstens

.zweite, dritte u. s. w. Frau vom Bruder N." genannt, und wäh- ,. die l,g.^ gi^r, fortwährend in der unmittelbaren Nähe ihres Mannes ' leben die andern in besonderen Zimmern oder auch in Nebengebäuden