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Von der preußischen Grenze.
U>. Juni. — Weshalb mobilisiren wir eigentlich?
Diese Frage geht durch alle Stände, alle Berufs- und Altersklassen; durch alle Parteien, alle Provinzen; ja in sämmtlichen deutschen Staaten, zum Theil selbst unter den ehemaligen Kriegsschrcicrn sieht man langgezogene bedenkliche Gesichter.
Es könnte kommen, daß einmal Preußen angeklagt wird, das deutsche Volk muthwillig in einen zwecklosen Krieg gestürzt zu haben; namentlich wenn der erwünschte Ersolg ausbleibt.
Was ist vorgefallen, daß wir jetzt mobilisiren?
Die Frage legt sich jedermann vor, eine Antwort haben wir noch nicht gehört. Eingeweiht scheinen nur zwei Personen zu sein, die Pr. Z. und die Nat. Z., wenigstens deuten beide an, sie könnten gar viel sagen, es wäre indeß schicklicher, noch zu schweigen.
Die Aufklärungen, die sie bisher gegeben haben, sind nicht ausreichend; im Gegentheil wird man nur noch mehr dadurch verwirrt.
Es scheint, als ob sie die Mobilmachung nicht in dem Sinn der Kreuzzci- tung auffassen: daß nämlich Preußen einfach seine Bundes-, mit andern Worten seine Lchnspflicht gegen Oestreich zu leisten habe, obgleich dieses den Krieg gegen den entschiedenen Widerspruch Preußens übernommen hat. Auch wäre eine andere Auffassung ganz gegen die bisherige Haltung dieser Blätter. Preußen soll nach ihnen nicht Oestreichs, sondern seine eignen und Deutschlands Interessen vertreten. Die Pr. A vom 17. Juni sagt: ,,Die Richtung, welche Preußen in seinem innern Staatslebcn verfolgt, gibt hinlängliche Bürgschaft für die Bestrebungen seiner auswärtigen Politik.
— Und wenn Preußen die Erhaltung der Grundlagen des europäischen Nechts- zustandes auf seine Fahne geschrieben hat, so wird es Veranlassung haben zu zeigen, daß es nicht gemeint ist, den Tendenzen der Unterdrückung oder der Vergewaltigung Vorschub zu leisten."
Das klingt fast revolutionär; aber wie weit reicht die Tragweite dieser Worte?
— Wo kommt denn ,.Unterdrückung" und „Vergewaltigung" vor? — doch nicht in Italien? — Wenigstens unser Stammverwandter und künftiger Alliirtcr versichert wiederholt, das seien alles Verleumdungen. Tyrannei eristirt in Italien nur unter der „kleinen aber despotischen revolutionären Partei" in Picmvnt, von welcher der Fcldzcugmcister Giulay die unterdrückten Picmvntesen zu befreien verhieß. — Jene „kleine revolutionäre Partei" ist der König Victor Emanucl; wenn Oestreich diese zu vertreiben verspricht, so ist es zwar nicht genau nach dem Recht der Verträge, doch keine „Vergewaltigung", sondern ein Act der wahren Freiheit. — Also mit jenen Worten ist nicht viel gesagt.
Daß die Mobilisirung einen rein defensiven Charakter an sich trägt, versteht sich von selbst; alle beteiligten Mächte verfahren rein defensiv; Piemvnt hat gerüstet, weil es fürchtete, von Oestreich angegriffen zu werden; Oestreich, weil Graf Cavour die Freischaren ihm auf den Leib schicken wollen; Frankreich vollends hat gar nicht gerüstet.