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Von der preußischen Grenze.
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Von der preußischen Grenze.

Preußen hat erklärt, es wolle weit über seine Bundcspflichten hinaus für den Schutz und die Interessen Deutschlands eintreten. Nach dieser Erklärung, deren Svitze doch »ffenbar gegen Frankreich gerichtet ist, darf es nicht mehr warten, bis die allgemeine Stimmung es weiter treibt, sondern es muß dieselbe leiten. Wenn die süddeutschen Blätter von der preußischen Negicruug jene Energie verlangen, die, wie !u schr wohl wissen, Preußen allein haben kann, so stimmen wir diesem Verlangen vollkommen bei. Die Energie eines Staats zeigt sich aber in andern Formen, als Man sie bei einem Handgemenge auf der Straße wahrnimmt. Die Forderung, Preußen solle nur immer darauf losschlagen, ohne zu fragen weshalb? hat keinen Sinn. Sobald ein Staat einen Krieg unternimmt, muß er sich klar machen, was ^ durch denselben erreichen, d. h. was er im Fall eines Sieges für Fricdcns- bcdingungen stellen will. Zu bloßen mittelalterlichen Duellen, um unsern ritterlichen instand zu zeigen, sind wir heute doch zu ernst.

Das Object des Krieges ist aber keineswegs so klar, als die suddeutschen Blätter vorgeben. Die Besorgniß. daß Frankreich im folgenden Jahr uns angreifen wird, kann uns unmöglich bestimmen, Frankreich heute anzugreifen, wenn sie uns auch dazu bestimmt, uns gegen jede Eventualität zu sichern. Bis jetzt liegt die Sache W. daß Oestreich (freilich von seinem Standpunkt aus ganz mit Recht, aber doch gegen die entschiedene Abrathung Preußens) in Sardinien eingedrungen ist, worauf d>c Franzosen, angeblich zum Schutz des mit ihnen verbündeten Sardinien, dasselbe gethan haben. Freilich wird die Sache viel bedenklicher durch die Proclamation des Kaisers Napoleon, in welcher derselbe die Absicht ausspricht, die Oestreichs aus Jta- "en zu treiben, also den durch den wiener Vertrag garantirten Besitzstand wesentlich »u ändern. Allein die Tragweite dieser Proelamation wird durch verschiedene Um­stände gemildert. Sie erscheint zunächst als eine an das französische Militär gcrich- iete Fanfaronadc, die einen leichten Sieg über die Ocstrcicher voraussetzt, da doch das Gegentheil wenigstens ebenso wahrscheinlich ist. Oestreich ist Frankreich allein gewachsen, und es hat außerdem noch den Vortheil, daß es von allen übrigen Seiten durch den deutschen Bund geschützt, seine ganze Kraft nach Italien werfen kann. Die Parallelen mit den Kricgsthatcn dcs großcn Napoleon sind gradczu lächerlich. Die Pachtverhältnisse haben sich scit jener Zeit sehr wesentlich geändert. Ferner muß Man erwägen, daß Napoleon schwer gereizt ist, denn die wiener Presse redet nicht '"ehr vom Kaiser, sondern von Louis Bonaparte dem Usurpator, uud die noch weitergehende bairische Presse stellt gradezu die Vertreibung dieses Usurpators in Aus­geht. Hier heißt es Fanfaronadc gegen Fanfaronade! denn das cinc Ziel hat bis letzt grade so viel Aussicht auf Erfolg als das andere. Endlich aber darf man ">cht vcrgcsscn, daß wir überhaupt zum Schutz der östreichischen Besitzungen in Italien keineswegs verpflichtet sind. Da man jetzt die Verträge fortwährend im Munde führt, sei es auch uns verstattet, auf den wahren Sinn dieser Verträge aufmerksam zu Machen.

Wenig Wochen nach der wiener Schlußacte vom 15. Mai 1820. am 26. Juli 1820

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