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Charlotte von Kalb.
Seite
321
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Chmlotte von KM.

Das Leben der Frau von Kalb ist in den letzten Iahren zweimal be­schrieben: von Köpke 1852, von Sauppe 1854. Der erste benutzte nußer den allgemein zugänglichen Quellen (den Briefen Schillers. Hölderlins. Jean Pauls und den Memoiren Charlottens) noch die persönlichen Mitthei­lungen ihrer Tochter: er spricht nicht als Erzähler, sondern als leidenschaftlich Liebender; das Porträt derhohen Frau" (so nennt er sie stets) hat ihn ent­flammt; alles was zu ihrem Nachtheil sprechen konnte, läßt er aus. das ganze Buch ist ein Dithyrambus. Sauppe erzählt angenehm, unparteiisch, aber sehr schonend, und nur aus diesem Umstand schöpfen wir die Berechtigung unserer neuen Arbeit. Er hat in der Sammlung seiner Briefstellen einige ausgelassen, die charakteristisch sind, und dadurch die Moral der Fabel ab­gestumpft: fast als wollte man bei einer Biographie der Frau von Stein den letzten Kaffecbrief weglassen.

Im Wilhelm Meister erscheint diese bunte Societät, die von sich sagen konnte: erlaubt ist, was gefällt! in äußerst anmuthigen Farben, die aber nur der Darstellung des Dichters angehören; es versteckt sich hinter dieser schönen Hülle ein ungesunder Keim. Die Verhältnisse der schönen Geister zu verhei- ratheten Franen waren sast die Regel; ein solches (freilich der edelsten eines!) hat Goethe in den schönsten Jahren seiner Kraft auf jenen Abweg geleitet, dem er dann in einem neuen Abweg entfloh; Schiller wußte das Band zur rechten Zeit zu zerreißen, aber mit rauher Hand und nicht ohne Schmerzen. Man hat in solchen Dingen nicht nöthig, den kategorischen Imperativ der Moral heranzuziehen; die natürlichen Folgen sagen alles. Scribe hat in Hue edawe Grund und Folge mit vollendeter Wahrheit und Deutlichkeit ausge­malt; das Leben der Frau von Kalb ist eine mehrfache Wiederholung dieses wunderbaren Dramas.

Charlotte v. Ostheim, geb. 25. Juli i?6i (zwei Jahr nach Schiller) in Waltershausen, aus einem angesehenen Geschlecht, ein schönes, hochbegabtes Kind, hatte srüh das Leiden gekannt. In erster Jugend verlor sie die Eltern; die jüngere Schwester Wilhelmine, die einen Bürgerlichen liebte, gab (Nov.

Grenzbotm II. 1359. 41