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Von der preußischen Grenze.
Die Passionswoche bringt also doch gegen alles Erwarten eine Chance des Friedens; woher diese plötzliche Strömung, und wie lange sie dauern wird, das vermag auch nach der neuesten Monitcurnote und nach den Eröffnungen der großbritannischen Minister srcilich bei diesem verwickelten Hazardspicl, dessen innerste Motive vielleicht nur zwei Menschen in Europa kennen, niemand zu berechnen. Genug, der Krieg bricht iu den nächsten Tagen noch nicht los, und ein Kongreß tritt aller Wahrscheinlichkeit nach zusammen. Bei den geringen Aussichten auf Verständigung, die ein solcher Kongreß selbst dem besten Willen bietet; bei der Schwierigkeit, wo nicht Unmöglichkeit, eine Entwaffnung der Großmächte, die Vorbedingung des Kongresses, zu dcfinircn, ja nur genau zu bestimmen, was man darunter versteht, da der französische Kaiser noch immer versichert, er habe noch gar nicht gcrüstct; bei der Gefahr, die eine Entwaffnung Sardiniens unmittelbar nach sich zieht, ist es schwcr, die Absichten der bethciligtcn Mächte zu errathen: jedenfalls wird man ein- schn, daß Preußen sehr weise daran gehandelt hat, dem Kriegsgeschrei nicht ohne weiteres nachzugeben. Jede Woche in Waffen kostet eine schwere Masse Geld, und da Preußen nicht gewohnt ist, sich in seinen Verlegenheiten durch einen Staatsbankerott zu helfen, so wäre es ein sträflicher Leichtsinn von der Regierung gewesen, die Kräfte des Staats anzuspannen, bevor es zur Action kam.
Jetzt ist die Zeit sür Preußen gekommen, handelnd einzutreten. Der Congreß wird ganz fruchtlos sein, da die Forderungen Frankreichs und namentlich Sardiniens von Oestreich von vornherein unbedingt zurückgewiesen sind, wenn nicht die vermittelnden Mächte ein crnstcs Wort sprechen. Die Erklärungen Lord Derbys geben wenigstens einige Handhabe; haben sich Prcnßcn und Rußland diesen Anforderungen unbedingt angeschlossen? Hat sich-Preußen mit seinen deutschen Bundesgenossen in Einvernehmen gesetzt, um das Gewicht seiner Vermittlung zu verstärken? Wir wissen es nicht; aber so viel ist klar, der Kongreß hat nur dann einen Sinn, wenn die vermittelnden Mächte mit ganz bestimmj formulirten Anforderungen auftreten, und von der Annahme derselben seitens Oestreich ihre Betheiligung an dem Conflict abhängig machen. Daß Veränderungen in Italien nicht blos wünschenswert!), sondern nothwendig sind für den Frieden Europas, weiß jeder; daß Frankreich nicht in gutem Recht sie verlangt, ist ebenso bekannt: aber sollten sie darum unerfüllt bleiben? Wollen uns etwa die Anwälte Oestreichs glauben machen, daß Oestreich sie ohne das Drängen Frankreichs seinem alten Bundesgenossen Preußen gewährt haben würde, gegen den es noch in der neufchatcller Angelegenheit so viel Courtoisie gezeigt?
Daß Oestreich entwaffne, und dafür der deutsche Bund mobilisirc — der Einfall ist. gemüthlich, geistreich, aber zu gemüthlich, zu geistreich, um zu reüssircn; auch wenn er im reinsten wiener Dialekt ausgesprochen wäre.
Oestreich mußte damit anfangen, sich mit Preußen zu verständigen; im gegenwärtigen Stadium, und mit so gemüthlichen und geistreichen Ansprüchen, kann man auf eine unmittelbare Verständigung kaum rechnen. 1'