Beitrag 
Südwestdeutsche Bedenken.
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Alle diese Gefahren würden natürlich nur drohender, wenn der Congreß gar nicht zu Stande käme. Welche Hindernisse aber in diesem Fall einer rechtzeitigen Defensivstellung, einer militärischen Bereithaltung des Bundes entgegenstehen könnten, dafür hat man im deutschen Südwesten kein Verständ­niß. Darf Frankreich nicht um seine Rüstungen gefragt werden, so hat der Bund doch wol dasselbe Recht, auch seine Maßnahmen ohne fremde Einsprache zu treffen. Seine Stellung zur italienisch-östreichischen Frage wäre damit nicht berührt. Preußen aber gewönne sicherlich ebenfalls einen nicht zu verachten­den Nachdruck für seine vermittelnde Thätigkeit als europäische Macht, wenn es gestattete, daß der deutsche Bund in jedem Augenblick über seine materi­ellen Kräfte verfügen könnte. Namentlich aber wäre damit von vornherein die Gefahr beseitigt, daß das großmannsüchtige Sonderinteresse den Aufschwung des ehrlichen Patriotismus vom Hauptziel ablenken, auf falsche Wege leiten, für seine Zwecke ausbeuten könnte/)

Die Polka.»*)

Zu Anfang der dreißiger Jahre tanzte ein junges Bauermädchcn, das in Elbeteinilz bei einem Bürger in Dienst stand, eines Sonntagnachmittags zur eignen Erheiterung einen Tanz, den es sich selbst erdacht, und sang hierzu eine passende Melodie. Der dortige Lehrer, Namens Josef Neruda, der zu­fällig anwesend war, schrieb die Melodie nieder, und der neue Tanz wurde kurze Zeit darauf zum ersten Mal in Elbeteinitz getanzt. Um das Jahr 1835 fand er in der böhmischen Metropole Eingang und erhielt dort, wahr­scheinlich wegen des in ihm waltenden Halbschrittes von dem böhmischen Worte MKa, d. i. die Hälfte, den NamenPolka". Vier Jahre später

") Anm. der Redact. Wir glaubten es dem deutschen Südwesten schuldig zu sein, einmal seinen Ansichten auch in diesen Blättern Raum zu geben; was die letztere Bemerkung betrifft, so ist sie schon in der vorigen Nummer erörtert worden. Könnte eine gemeinsame Rüstung des Bundes ohne Oestreich stattfinden, so wäre sie und zum wahren Heile Oestreichs! schon ins Werk gesetzt; auf Antrag des Bundespräsidiums unternommen, hieße sie so viel als unbedingte Parteinahme; und diese bis nach dem Scheitern des letzten Versuchs einer Verständigung zu verschieben, scheint uns ebenso im Interesse des Südwestcns als Preußens zu liegen. Da übrigens jeder Tag etwas Neues bringt, so bemerken wir, daß uns dieser Artikel heute, 14. April zugeht.

Als Probe aus dem interessanten Büchlein:Böhmische Nationaltänze." Cultur­studie von Alfred Wald au. Prag, Dominikus.