Beitrag 
Bilder aus Griechenland. 5. : Die heutigen Athener. - Die deutsche Niederlassung in Erakli : Pfingsten am Pentelikon.
Seite
392
Einzelbild herunterladen
 

392

tänzer begann erst gemessen, dann lebhafter, zuletzt bisweilen mit dem wildesten Niederducken und Emporschnellen die Tour anzugeben, die nichts als ein takt­mäßiger Ningeireigen ist. Der nächste faßt einen Zipfel des Taschentuchs, welches jener ihm zum Anhalt reicht, der dritte Tänzer die linke Hand des zweiten und so fort in der Reihe. Die Frauen bilden den Schweif der Schlange; wenn Kinder da sind, tanzen auch diese nach Kräften mit. Während die Männer in der Regel die Sprünge des Vortänzers nachahmen, wird der Tanz von den Weibern nur gegangen uud nichts in ihren Zügen verräth, daß der Neigen ihnen Freude macht. Zuweilen tritt ein Tänzer und eine Tänzerin aus dem Kreise, der dann stehen bleibt, und jener tanzt eine Art Pantomime, aber mag er sich noch so lebhaft wenden und drehen, in die Knie knicken und wieder emporfahren, seine Partnerin bewegt die Füße nicht viel mehr, als ein Marmorbild sie bewegen würde.

Im Ganzen ist der Tanz, der viel Achnlichkcit mit demKolo" der Ser­ben haben soll, nicht ohne Anmuth, und namentlich fand ich das Spiel der Füße recht graziös. Indeß hat er zu wenig Abwechselung, und ihm aus dem Grunde, weil er aus dem Alterthum stammen soll, stundenlang zuzusehen, war nicht meine Sache. Die Begleiter waren ähnlicher Ansicht, und nachdem wir noch einen Blick aus der Ferne auf das Gesammtbild geworfen, welches die einzelnen tanzenden Kreise zusammenfaßte, fuhren wir nach Athen zurück, wo wir grade noch zu rechter Zeit ankamen, um von der Kapelle auf dem Gipfel des Lykabettus einen der schönsten Sonnenuntergänge über den Bergen des Peloponnes flammen zu sehen.

Die türkischen Finanzen.

Unter den Symptomen der Krankheit, an welcher die Türkei leidet, Pflegt die von Jahr zu Jahr sich steigernde Unordnung in ihren Finanzen als eins der bedenklichsten, ja als ein Zeichen der UnHeilbarkeit angesehen zu werden. Eine genauere Betrachtung der Sache aber zeigt, daß dies ein Mißverstündniß ist. Allerdings ist die erste Bedingung einer starken Regierung Ordnung in ihren Geldangelegenheiten, und allerdings herrschte in den Geldangelegenheiten der Türkei seit geraumer Zeit schon und herrscht in vielen Beziehungen noch jetzt das Gegentheil von Ordnung. Aber der Grund davon ist nicht sowol u/den allgemeinen Zuständen des türkischen Staatswesens, als vielmehr in den