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Bilder Aus Griechenland. 3. : Ein Morgen auf der Akropolis.
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sich auf schönen. gewandt geführten Pferden bewundern. In der Mitte be­wegen Dienende das Rollschiff, an dem als Segel sich der Peplos bläht. Dahinter gehen vor einer Pricsterin die Arrephoren. welche das heilige Gewebe gewebt. Die Stimmen von Herolden erschallen. Die ganze Ebene ist ein weiter Festplatz, und selbst die starren Berge scheinen prächtiger zu schimmern als sonst. Vor mir steht wieder aufgerichtet das Riesenbild der Athene Pro- machos. Daneben ragt in den blauen Himmel das weihe Erechtheion mit den Karyatiden. Dahinter steht der Tempel der Gottin des Festes in alter Gestalt, ein Stolz und eine Freude des Baumeisters, der mit im Zuge geht.

Mit solchen Gedanken kehrte ich durch die Propyläen zurück. Die Berge schimmerten auch hier noch so schön, und Heiterkeit war über die Ebne aus­gegossen. Aber der Zug erschien nicht vor der Freitreppe. Er war zerronnen, verschwunden, zurückgekehrt nach dem Keramcikos und dort in die Gräber gestiegen, die in dieser Gegend des alten Athen sich befanden. Musik ertönte. Wagenrollen ließ sich hören. Züge von Bewaffneten bewegten sich über den staubigen Platz zwischen dem Areopag und dem Theseustempel. Aber die schmetternden Hörner bliesen bairische Signale, die Wagen waren prosaische Fiaker, und die Bewaffneten Soldaten von gewöhnlichem modernen Zuschnitt, die sich hier nach unserm Exercirreglement schwenkten.

Karl Reimer.

Es war nicht selten in den schlimmsten Perioden der deutschen Geschichte, in Perioden des Zerwürfnisses und der Muthlosigkcit, daß wohlgesinnte Männer, um das Volk zu erheben, auf die innere Kraft und Tüchtigkeit der deutschen Natur hinwiesen, die sich mit der Zeit Bahn brechen und unter bessern Sternen auch das allgemeine Leben wieder erfüllen müsse. Man hat über diese Oden- dichter und Redner nicht selten die Achsel gezuckt, weil es sreilich leichter ist zu weissagen als in den Fortgang der Dinge thätig einzugreifen; aber jener Ver­herrlichung eines möglichen Vaterlandes lag doch nicht blos das lyrische Be­dürfniß zum Grunde, sondern ein richtiger Jnstinct für die Wirklichkeit. Die Liebe zu unserm Vatcrlcmdc und den Glauben an dessen Zukunft entnehmen wir weder aus der Geschichte noch aus den öffentlichen Zuständen, beide sind proble­matisch', wir schöpfen das Recht dazu aus der Anschauung einzelner Kreise, einzelner bedeutender Charaktere, deren Kern durchweg etwas enthält, was man als specifisch deutsch bezeichnen muß. Solche Männer findet man nicht immer in dem Glanz