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Zum ersten Januar.
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Zum ersten Januar.

Ein Jahr ist vergangen, reich an Blüten und Sonnenlicht. Die Garben- zahl war groß, die Körner schwer, kaum faßten die Fässer den süßen Most und der lachende Herbst dehnte seine Herrschaft so weit aus, daß die Hand­arbeit im Freien bis jetzt kaum unterbrochen wurde. Aber wie hold die Geister der Natur dem deutschen Lande auch gewesen sind, auf den Menschen liegt doch ein trüber Ernst und unruhig, freudlos und sorgenvoll blicken sie nach der Gegend des Himmels, aus welcher die Gestirne der nächsten Zukunft über unsere Häupter aufsteigen.

Wir sind ärmer geworden. Nicht daß die Lustgebilde geträumten Reich­thums verschwinden, auch nicht daß Millionen von erworbenem Vermögen wieder verloren sind, ist unser größter Verlust. Was alle verstimmt und demüthiget, ist die nationale Einbuße an Männern, an Kraft und Vertrauen. Wir haben den Glauben an Viele verloren, die wir unter den besten unsrer Nation zu zählen gewohnt waren, die Ueberzeugung ist geschwächt, daß unser Volk nicht arm ist an maßvoller Energie, an besonnenen, dauerhaften, redlichen Arbeitern. Was im Verkehr des Marktes Mißtrauen heißt, ist nur ein Ausdruck für das allgemeine Gefühl der Enttäuschung und das schmerz­liche Unbehagen darüber, daß so viele schwach und gewissenlos gehandelt haben.

Auch in andern Gebieten des deutschen Lebens war die Erhebung versagt, welche bei großen politischen Wandlungen den Völkern in Schmerz und Freude so gut Bedürfniß ist. wie dem Einzelnen. In dem größten Staate Deutschlands vollzieht sich ein verhnngnißvoller Wechsel fast lautlos in beengenden Formen. Allmälig hat sich ein dunkler Schatten über die glän­zende uad bewegliche Seele gebreitet, welche durch 17 verhängnißvolle Jahre Preußens Geschicke entschied. Die Kunde von diesem furchtbaren Ereigniß nicht verhehlt und doch nicht öffentlich ausgesprochen, drang nur durch Gerüchte unsicher und entstellt in das betroffene Volk. Dem neuen Regenten und den Preußen wurde das volle Maß der Empfindungen versagt, welche erschüttern, erheben und verjüngen, so oft ein König sein Antlitz vom Leben abkehrt zu dem stillen Haus, seiner Ahnen. Ein König scheidet, ein neuer Herrscher kommt, und es schlt alles Gewaltige, der düstere Pomp und die feierlichen

Grenzboten I. 1353. 1