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Die Pläne des Kaisers Napoleon III.
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eine ähnliche Nachahmung ins Leben gerufen haben, wie auf allen übrigen. So umfassende Beschäftigung die Römer den bildenden Künsten auch gaben, sie gestanden ihnen doch nie denselben Platz unter den Interessen der gebildeten Welt zu, den sich die übrigen zum Theil trotz der stärksten Antipathien er- rungen haben.

Kleine ästhetische Streisziige.

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Von Jahr zu Jahr vermindert sich die Zahl der poetischen Schöpfungen, die etwas Eigenthümliches und Bedeutendes enthalten und deshalb die Kritik zu eingehender Besprechung bestimmen. Die Thatsache ist so allgemein be­kannt und über die Gründe hat man sich so vielfach ausgesprochen, daß eS nicht nöthig ist, alte Klagen von Neuem wieder aufzuregen. Statt dessen be­gnügen wir uns damit, auf diejenigen neuen Schriften hinzuweisen, in denen wenigstens ein beachtenswerthes Talent sich zeigt. Für heute haben wir es mit dem Fvrmtalent zu thun; auch dies ist seit den letzten Jahren sehr im Sinken und wenn mau von den höhern Anforderungen an die Poesie ganz abstrahirt, wenn man seinen Wunsch darauf beschränkt, für den gegebenen Stoff die angemessene poetische Sprache in Anspruch zu nehmen, so wird auch dieser Wunsch nur ausnahmsweise befriedigt. Zu diesen Ausnahmen gehören drei unS vorliegende Dichtungen: Gunhilde, eine Mähr von Hegener (Berlin, Decker); Ruth, lyrisches Drama in zwei Handlungen von Löwe (Schwerin, Oertzen); und Nimrod, ein Trauerspiel vou G. Kinkel (Han­nover, Nümpler). In allen dreien finden wir eine zugleich edle und gefällige Sprache, die freilich überwiegend lyrisch ist, ein sehr schwaches episches oder dramatisches Talent, aber ein aufrichtiges Streben nach poetischer Schönheit. Am angenehmsten liest sich Gunhilde, wo, allerdings nur in einem kleinen Nahmen, die Nibelungensprache sehr geschickt copirt ist. Der Dichter der Ruth hat der modernen Empfindungsweise einen gar zu großen Raum verstattet, von dem einfachen plastischen Ton der Bibel bleibt keine Spur, und man versteht nicht recht, warum man die weite Reise nach dem Orient machen ioll, um doch nur den Wiederhall romantischer Sonette zu vernehmen. Allein läßt man dieses Mißverhältniß aus dem Sinn, so entdeckt man in der Empfindung und Anschauung nicht unbedeutende Schönheiten. Das zuletzt genannte Drama interessirr uns zunächst durch den Namen seines Verfassers, der in einem einleitenden Gedicht mit stolzer Resignation auf seine frühere politische Thä­tigkeit hindeutet, und in dem Stück selbst, welches nicht nur alle theatralischen, son-