338
die Uebersetzung richtig ist, so weit man nur den Begriff im Auge behalt, so mischt sich dabei doch eine fremdartige Porstellung ein, die wir unsern modernen Anschauungen entnehmen. Man kann z. B. die herrschende Classe in Sparta dem Begriff nach ganz wol als einen Adel bezeichnen, allein dann muß man sich unsere Vorstellung völlig aus dem Sinn schlagen. Wir können uns einen Adel schlechthin nicht vorstellen ohne stehende Familiennamen, und diese kamen in Griechenland nur ausnahmsweise, eigentlich nur bei den dynastischen Geschlechtern vor. Im Ganzen bewährt sich die Methode so vortrefflich, daß wir sie nicht wegwünschen, aber vielleicht wird der Versasser bei einer neuen Ausgabe sich bestimmen lassen, in der Anwendung behutsamer zu sein, und dem Leser neben der Verwandtschaft zwischen den alten und modernen Institutionen auch den Contrast gegenwärtig zu halten.
WaS dem Buch seine eigenthümliche Bedeutung gibt, ist das konsequent durchgeführte politische Princip. Es wird nicht bloS behauptet, sondern mit völliger Evidenz erwiesen, daß die Gegensätze zwischen der Aristokratie und Demokratie, die Beziehungen des Despotismus zum Pöbelregiment und der Untergang der Staaten durch die Herrschaft eines einseitigen Princips in allen Perioden der Geschichte einem einheitlichen Gesetz folgen, daß die Natur der Menschen sich nicht verändert und daß gleiche Ursachen stets gleiche Wirkungen erzeugen. Das Buch enthält also nicht bloS eine historische Belehrung, sondern ein reiches politisches Bildungsmaterial.
Möge es dem Verfasser vergönnt sein, auch in der neuen Heimath für die sittliche und politische Erhebung des Volks und für die wissenschaftliche Aufklärung mit demselben Segen zu wirken, der ihm in seiner bisherigen Laufbahn in so reichem Maß zu Theil geworden ist. I. S.
Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm.
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Band II, fünfte Lieferung. Leipzig, S. Hirzel. 1837.
Die neue Lieferung des großen Nationalwerkes enthält von Der bis Doch eine nicht gewöhnliche Zahl von Stämmen und merkwürdigen Wörtern. Nur einige Stammwörter seien angeführt: Dest, Deuchel, Deutsch, Dicht, Dichter, Dick, Dieb, Diech, Diele, Dienen, Dienst, Dienstag, Dieser, Diet, Dietrich, Dift, Digen, Dille, Dimper, Ding, Dinte, Dirle, Dirne, Distel, Dobel. Schon aus den Angeführten wird man merken, wie viele deutsche Wörter dem Einzelnen, auch bei guter Bildung und erträglichen Sprachkcnntnissen fremd sind. Und es ist auch von diesem Gesichtspunkt be-