Beitrag 
Correspondenzen.
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

279

Es ist ein seltsames Zusammentreffen, daß in die Krisis die Feier des Kur­ban Bairam oder das musclmauische Opserfest hineinfällt. Während man sich auf den Straßen der fränkischen Quartiere allerwärts über das Drängniß des Augen­blicks unterhielt, zogen durch die engen Gassen der türkischen Viertel mit gesenktem Haupte viele tausend Widder, und wurde die ganze Aufmerksamkeit und das aus­schließliche Interesse der moslcmitischen Bevölkerung davon in Anspruch genommen, beim Kauf einen fetten Hammel zu erwischen. Das Hirtenlebcn drängt sich bei diesem einstigen Nomadcnvolk noch heute dann und wann bis in die Mitte seiner großen Hauptstadt ein, und eine bedeutungsvolle Reminiscenz früherer Zeiten ist es, wenn heute der Padischah in der Dschami des Sultan Achmed sein Opfer voll­zog d. h. einen Widder mit eigner Hand schlachtete. Dem Thier sind die Hörner vergoldet und zwei Kammcrhcrrn halten es bei der Execution.

Literatur.

Erde und Ewigkeit. Von G. H. Otto Volger. Frankfurt a. M. Ver­lag von Meidinger, Sohn und.Conip. Der Verfasser gibt seinem Buch den Ne- bentitcl:Natürliche Geschichte der Erde als kreisender Entwickelungsgang im Ge­gensatze zur naturwidrigen Geologie der Revolutionen und Katastrophen." Die AuSführuug dieses Themas macht aus den ersten Blick den Eindruck des Wunder­lichen. Die Form ist halb Poesie, halb Prosa, eine Art Prvphetcnsprachc, die in der Einleitung:Menschliches Streben: Ein Friedcnsgruß Vorübergehenden und Eintretenden" überschrieben, ein vollkvmmner Dithyrambus, halb Bombast, l/alb Sentimentalität ist und auch in den folgenden Capiteln: 1. Endlichkeit und Ewig­keit. Betrachtungen in den Vorhallen. S. Urkunden zur Geschichte der Erde. Eine Rundschau im Heiligthum der Wissenschaft. Die ewige Zerstörung. Die ewige Wage. Die ewige Verjüngung u. s. w. sich in den eigensten Formen bewegt. Der Verfasser scheint von dem, was er gesunden,' förmlich berauscht zu sein, und Man sollte hinter seinem Phrascnputz kaum einen Mann der Wissenschaft vermuthen. Dennoch ist er ein tüchtiger Mineralog, ein ziemlich scharfer Denker, ein gebildeter Mann überhaupt. Sein Ziel, der Beweis der Sätze: Es gibt nichts Neues unter der Sonne; kein Ding hat einen Ansang, keins ein Ende; die Annahme eines auf­steigenden Entwickelnngsganges hat nicht den Schatten eines Rechts für sich, alles Werden ist ewiger Kreislauf u. a. fällt unter sein eignes Gesetz, d. h. die Behaup­tung ist auch nichts Neues, schon einer der sieben Weisen Griechenlands trug sie vor. Daß sie richtig ist, wird ihm der eine und der andere Naturforscher, sicher aber kein Kenner der Geschichte zugeben. Wäre sonach der letzte Gewinn, den das Bnch erstrebt, werthlos, so kann man aus dem Apparat, den es anwendet, um da­hin zu gelangen, viel Schätzbares lernen und manches Vvrurthcil verlieren, und sv bleibt von der Lectüre der Schrift immerhin so viel zurück, daß man dem Ver-