Beitrag 
Die gläubige Naturforschung und die biblische Schöpfungsgeschichte.
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

Die gläubige Nlttnrsorschnng und die biblische Schöpsungsgeschichte.

Andreas Wagner. Geschichte der Urwelt. Leipzig, 1857. 2. Auflage. Erster Theil. 530 Seiten.

Wir beabsichtigen nicht, eine Kritik oder eine Analyse des wissenschaftlichen Theils des angeführten BucheS zu geben, sondern müssen das den natur­wissenschaftlichen Zeitschriften und den Geologen von Fach überlassen. Von allgemeinem Interesse scheint uns dagegen dieVergleichung des mosaischen Schöpfungsberichts mit den Ergebnissen der Geologie" zu sein. An sich sind freilich die Bemühungen, die biblische Schöpfungsgeschichte mit den Lehren der Naturwissenschaft in Einklang zu setzen, von geringer Bedeutung; der un­befangene Leser der Bibel wird sich nicht einreden lassen, daß MoseS tiefere Kenntniß der Natur besessen, als die unmittelbare Anschauung der Natur er­gibt und ebensowenig wird man einräumen können, daß dem religiösen und sittlichen Gehalte des alten Testamentes Abbruch geschieht, weil MoseS das kopernikanische Weltsystem nicht, kannte oder weil die Traditionen von Noah daS Gepräge des Mythischen tragen. Aber auf die religiösen Bestrebungen unserer Zeit wirft die Kenntnißnahme von jenen Bemühungen einiges Licht; wir er­fahren, daß für eine heutige Neligionspartei die Untersuchung von Wichtigkeit ist, ob Moses richtige oder unrichtige astronomische und geologische Vor­stellungen besessen und wir sehen mit Bedauern einen verdienstvollen Natur­forscher, mit einer gewissen Genugthuung eine anmaßende religiöse Partei sich in die unglaublichsten Spitzfindigkeiten verrennen, um den naturwissenschaft­lichen Erwerb von Jahrtausenden in der ältesten Urkunde deS Menschengeschlechts zu entdecken.

Der Verfasser behauptet zunächst, daß Moses seine Kenntniß von der Schöpfungsgeschichte einer unmittelbaren göttlichen Offenbarung verdanke; hiernach müßte ihm also Gott selbst in hebräischer Sprache daS Erforderliche erzählt haben, eine Vorstellung, die zwar schwierig, aber einmal üblich ist. Er verlangt serner, daß deshalb die Naturforscher an der Uebereinstimmung mit der mosaischen Schöpfungsgeschichte die Richtigkeit ihrer Untersuchungen bemessen sollen; wir können nicht leugnen, daß unS das gegen die Unbefangen­heit seiner eignen, vorzugsweise neptunistischen Ansichten etwas mißtrauisch macht. Eine andere Aeußerung erhöht noch dieses Mißtrauen; er findet nämlich den Ausspruch des Kirchenvaters AugustinuS sehr richtig, welcher sagt:daran müssen wir unzweifelhaft festhalten, daß wir zeigen, es sei unsern heiligen Büchern nichts entgegen, was die Weisen der Welt über die Natur der Dinge wahrhaft beweisen konnten u. s. w." und ferner:aber eS möchte jemand sagen: