Beitrag 
Ueber Goethes Fragment einer Tragödie.
Seite
492
Einzelbild herunterladen
 

492

Um das Tragödienfragment gründlich abzuhandeln würde aber noch mit Hilfe von Eginhards Leben Karls des Großen und von Turpins Chronik zu untersuchen sein, wo die^ Fabel desselben ihre Wurzel hat. Daran hätte sich schließlich die Bestimmung eines schicklichen Titels des Trauerspiels zu knüpfen, der dann in einer Gesammtau s gäbe >on GoetheS Werken (über deren Vorbereitung wir ein ander Mal ein Wort sagen möchten zu gebrauchen wäre; denn der jetzige,Fragment einer Tragödie", paßt zu eini gen andern Gaben in Goethes Werken ebensvwol, als zu dieser und kann daher leicht Irrungen veranlassen, wogegen der von Riemer vorgeschlagene,Eginhard", der Ausmerksamkeit eine falsche Richtung gibt; er ist offenbar nur ergriffen, weil Eginhard der einzige Eigenname beS Entwurfs ist, erscheint aber gleich­wol verwerflich, da sich aus den Bruchstücken nimmermehr ableiten läßt, daß Eginhard die Hauptperson habe werden sollen.

Ein DemiMoster am Nil.

-,N5Mkl',-S'-n»l 5,»-"»j.f /,v«?MÄwi,y'DS!5-Sns-iMKA ',H»Mmi^MWWN' ÄttD

Die Zahl der Derwische soll in Aegypten, dem Vaterlande des christlichen Klosterlebens, sehr beträchtlich sein. Ihr eigentliches Wesen zu charakterisieren ist ziemlich schwierig, da die verschiedenen Orden verschiedene Lehren, Regeln und Rituale haben, und das Meiste davon geheim gehalten wird. Ob sich viel Bedeutendes unter der Oberfläche birgt, nach welcher wir somit zu urtheilen haben, läßt sich nicht sagen. Wir erlauben uns, es zu bezweifeln. In einigen Beziehungen lassen sie sich mit den Bettelmönchen der katholischen Kirche ver­gleichen, mit welcher der Islam bekanntlich auch die Heiligenverehrung, die Fürbitte der Heiligen, die ewigen Lampen, Wallfahrten, Reliquie»*), Rosen­kränze, die guten Werke und vieles Andere gemein hat. In andern Punkten haben sie Aehnlichkeit mit unsern Freimaurern, namentlich mit denen, welche den mystischen Systemen angehören. Endlich gleichen, wie das Folgende zei­gen wird, mehre ihrer Orden ganz entschieden den fahrenden Leuten des Mittel­alters. Den Gebildeteren unter ihnen wird große Toleranz gegen Anders­glaubende nachgerühmt, doch liegt darin noch kein Grund, sie den Nationalisten beizuzählen; denn auch der Mystiker übt in der Regel solche Duldsamkeit, und

^) In Kairo wird unter Anderin in einer Moschee ein Hemd Mohammeds und in einer andern der Kopf des Märtyrers Hossain aufbewahrt. Wer hätte nicht, wie wir, bei ersterem an den heiligen Rock von Trier und an die zahllosen heilige» Hemden aus der Wäschlade der Jungfrau Maria gedacht, welche dem Zahn der Zeit so glucklich Widerstand leisteten, daß sie noch heute die Gläubigen durch ihreu Anblick erquicken können?