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Korrespondenzen.
Paris 12. Mai. — Der Empfang, der dem Gaste des Kaisers, seinem ehemaligen Feinde/, zu Theil wurde, war ein sehr anstandvoller. Die wenigen Neugierigen (im Vergleiche zu den Massen, welche die Einfahrt der Königin von England angelockt hatte) grüßten stumm und ließen den Großfürsten weiterziehen, ohne ihn durch irgend einen- Rns zu incommodiren. Die Restaurants und Boutiquiers, welche unter allen Umständen internationale Interessen vertreten und an ihrem kosmopolitischen Glaubensbekenntnisse festhalten, haben sich auch durch einige gelbe Fahnen, den russischen Adler in der Mitte, beim kauflustigen Moskowiter zu empfehlen gesucht. Das wäre, so weit die Bevölkerung in Frage kommt, so ziemlich alles.
Die Persönlichkeit des Großfürsten macht hier einen guten Eindruck. Sein bescheidenes, maßvolles Benehmen gefällt, und man sagt ihm, er sei ein Iiomwv, i>>5>,mgu6> ein großes Comvliment, wenn es ernst gemeint ist. Das Aeußere des Gastes hat nicht ganz den Vorstellungen entsprochen, die man sich hier von ihm gemacht hat. So civilistrt wollte man sich die Verkörperung des Altrussenthums nicht denken. Die Physiognomie verräth aber trotz aller Sanstmnth doch eine starke Dosis Energie und Eigensinn. Der Großfürst besichtigt alles Sehenswcrthe und, wie man sagt, mit verständigem Interesse. Während seiner Besuche auf den Kriegsschiffen in Toulon schien das allzuängstliche Prüfen von unbedeutenden Eiuzelnheiten, das Nachmessen, Notizenmachen denn doch etwas übertrieben — das sah wie eine Parodie des Zaren in Saardam aus.
Die officiellen Festlichkeiten mußten wegen der eben eingetretenen Hoftrauer um einige Tage verschoben werden, und der Prinz konnte nicht, wie es gewünscht worden, gleich am ersten Abende die Pracht des kaiserlichen Ballctcs bewundern. Er ging nicht nach der großen Oper, sondern er trauerte bei den Farcen von Grassot und Arnal im Palais-Royal-Theater. So will es die Convenicnz. Es wäre für das Andenken der verstorbenen Herzogin von Gloncester unschmeichelhaft gewesen, Wenn der russische Prinz sich die schönen Rosen der Tcrraris oder die flinken Beine der Rosati angesehen hätte; die Schwänke der HH. Grassot und Arnal haben nichts Verletzendes. Diese komische Traner hat ihre zahlreichen Seitenstücke in unserer bürgerlichen Welt, und wir haben leider kein Recht, einen Stein auf die Hvfwelt zu werfen.
Nach der kurzen Trauer von einigen Tagen entschädigte der Hof sich und den Prinzen, der uns nun wieder verlassen hat, reichlich. Es wurde ihm zu Ehren gegessen, getanzt, Komödie gespielt — man öffnete ihm alle Archive, alle Merkwürdigkeiten von Paris wurden seinen Blicken bereit gehalten, Hof und Stadt, I» ''"ni- o> In villc- — wie die alte Redeweise besagt — bemühten sich uM die Wette, dem ^ciste ans dem Norden angenehm zn sein.
Es wurde viel über eine bevorstehende Allianz zwischen Rußland und Frankreich geschrieben und gesprochen und die Einladung, welche an Konstantin nach Turin ^langte, den hiesigen Hof mit seinem Besuche zu erfreuen, wurde natürlich auch diesem Sinne gedeutet. Ich glaube mit Unrecht. Wem vergönnt ist, gclegcnt- ^'ch einen Blick hinter die Coulissen zu werfen, der kann an vielen Symptomen Grenzboten. II. -I8S7- 45