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Die Gebrüder Chénier und das Theater während der Revolution.
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Die Gebrüder ClMier und das Theater während der

Revolution.

Bei jeder größern Volkserhebung hat man die Ueberzeugung, es werde auch für die Kunst und Literatur eine neue Aera beginnen. Man wird darin jedesmal getäuscht, und bei reiflicher Ueberlegung begreift man wohl, daß eine Stockung derjenigen Geisteskräfte, die sich nicht unmittelbar auf das wirkliche Leben richten, in der Natur der Sache liegt. Während der Revolution ist eS nur ein Gedanke, der alle beschäftigt, nur eine Leidenschaft, die jedes Herz mit sich fortreißt, und wer so viel Gemüthsruhe bewahrt, sich dem Fieber der allgemeinen Aufregung zu entziehen, wirb gewiß auf seine Zeitgenossen keinen Einfluß ausüben. Das künstlerische Schaffen steht aber in der engsten Wechsel­wirkung mit den Empfindungen des Volks, und wo diese dem Dichter nicht hilfreich entgegenkommen, wird er sich vergebens nach einer Eingebung von anderswoher umsehen. Auch wenn der Sturm nachgelassen hat, bedarf eS noch einer geraumen Zeit, bevor die Flut der öffentlichen Meinung sich wieder >n die alten Formen findet.

Bei der französischen Revolution von 1789 kam noch hinzu, daß sie bald Nach ihrem Beginn zum Despotismus führte, zuerst zum Despotismus des Pöbels, dann zum militärischen Despotismus. Die alte Regierung war nur dem Anschein nach despotisch gewesen. Zwar unterdrückte die Censur in Frankreich jede mißliebige Aeußerung, aber nichts hinderte den Schriftsteller, seine Werke außerhalb des Landes drucken zu lassen, wenn er einige Wochen Bastille und ähnliche Unbequemlichkeiten nicht scheute, und der gesellschaftliche Ton war so ungebunden als möglich. Von 1790 an war es unbequemer, etwas zu schreiben oder auch nur zu reden, was dem neuen Souverän miß- stel; wenn man der Laterne entging, so war man in Gefahr, der Guillotine !U verfallen, und in den Zeiten des Schreckensregiments saß beinahe der größte Theil aller Talente in den Gefängnissen. Shakspeare, der mit seinem wunderbaren Jnstinct fast alle Ereignisse, dev Zukunft prophetisch angedeutet Hat, schildert in seinem Jack Kade die neusranzöstsche Demagogie vortrefflich. Wer sich durch die Lese- und Schreibkunst über seine Mitmenschen erhebt, ist ein Aristokrat und muß geköpft werden. Es ist nicht blos die äußere Furcht, die in solchen Augenblicken die Gemüther niederdrückt. Der cynische Ton der herrschenden Masse übt eine ansteckende Wirkung auö, selbst auf die Gegner, und von der Freiheit deö Gemüths, die zum Schaffen nothwendig ist, bleibt keine Spur zurück.

So wurde auch bei uns im Jahre 1848 der Gang der bisherigen Lite­ratur plötzlich unterbrochen, sogar die politische Lyrik, die doch mit dem neuen