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Dichtung und Wahrheit aus dem griechischen Alterthum.
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Dichtungen auch bei uns heimisch geworden sind, wie Arion, Sappho und Jbykus, Die wunderbare Rettung des Meisters der Töne durch einen Del­phin erzählt schon Herodot, er selbst sah in Tänarön ein bronzenes Monument, das das Wunder bezeugte, eine Figur auf einem Delphin reitend. Die Ge­schichte des Jbykus wird zufällig nur in einer späten Quelle in Kürze berich­tet, dagegen eine nicht minder wunderbare von SimonideS mehrfach erzählt. Er war von einem thessalischen Fürsten, Namens Skopas, aufgefordert wor­den, einen in den heiligen Kampsspielen von diesem erfochtenen Sieg zu be­singen. Nach der Sitte der Dichter, (die auch Pindar in seinem Siegeroden regelmäßig befolgt) hatte er das Creigniß durch Gegenbilder aus der Göttersage zu verklären gesucht und namentlich-dem Preise der Divskuren als Schutzgötter der Kampfspiele einen Raum in seinem Gedicht vergönnt, der dem Besteller für den Zweck desselben zu groß erschien; und Skopas soll so wenig Gentle­man gewesen sein, ihm nur die Hälfte des versprochenen Honorars zu zahlen, mit der Bemerkung, die andere Hälfte möge er sich von den Dioskuren, zu deren Verherrlichung er ebenso viel gesagt habe, geben lassen. Kurz darauf wird Simonides von der Tafel des Fürsten fortgerufen: es ständen zwei un­bekannte junge Männer vor der Thür, die dringend verlangten ihn zu sprechen. Er geht hinaus und findet niemand. Aber ehe er noch wieder in das Haus gehn kann, stürzt die Decke des Saals ein, in dem Skopas schmauste, wobei dieser mit allen den Seinigen den Tod fand.

Daß diese drei Sagen von Arion, den Kranichen deS Jbykus und Si­monides nicht aus entstellten Thalsachen beruhn, sondern daß sie alle aus ein und derselben ethischen Veranlassung entsprungen sind, daß sie alle ein und denselben GefühlsauSdruck geben sollen, zeigt schon ihre große Conformität, und die Idee, die sich in allen dreien verkörpert, ist, baß der Sangerin Heilger Hut", im besondern Schutze der Götter steht. Dies ist uns zwar verständlich, nur in Griechenland aber,war dies Gefühl so intensiv, baß es in der Sage sich seinen Ausdruck schus.Dem Griechen war der Dichter nicht nur der Trä­ger seines Nationalruhms, immer der vorzüglichste, lange der einzige; nicht nur der Lehrer und Mahner beö Guten und Rechten, oder wie er gern nannte, bes Schönen. Die Gesetze, sagt ein Redner, befehlen nur, die Dich­ter aber lehren und bereden die Menschen zum Rechten! Er war ihnen wie ein Priester; sie konnten ohne ihn ihre Götter nicht ehren; er schus die heiligen Lieder,,ordnete ihnen ihre Chöre, er lehrte sie oft schon als Kinder das Fest­lied, womit sie zum Tempel des Gottes zogen, was ihnen noch im Alter eine erhebende Erinnerung blieb.Noch als Gattin sagst du, ich sang den Göttern, Als den Festtag brachte der Zeiten Umlauf, Nach die Lieder, wie mir die Weisen angab Flaccus der Seher," sagt Horaz in griechischem Sinn und vermuthlich nach griechischem Vyrbilde. Aus solcher Stimmung heraus erschien der Dichter,