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Literatur.
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Liedern erkennbar ist. Ja von einzelnen Volksliedern läßt sich behaupten, daß sie gar keinem Volke vorzugsweise angehören, sondern daß sie an den Küsten der Nord- und Ostsee, auf den Schiffen und in den Gesellschaftshäusern der kaufmännischen Korporationen entstanden sind, ein gemeinsames Gut der Eng­länder, Deutschen, Niederländer und Skandinavier. Manche Lieder mögen auch noch znr Zeit des dreißigjährigen Krieges mit den schwedischen Heeren nach Deutschland gekommen, und einiges umgekehrt von den schwedischen Sol­daten nach ihrer Heimath gebracht sein. Die Übertragung der Gedichte in dem vorliegenden Werke scheint treu, manchmal zu treu für das deutsche Ohr. Sehr schätzenswert!) ist die Beigabe der Melodien, ob aber die harmonische Bearbeitung derselben wirklich die zweckmäßigste Form der Mittheilung war, wagen wir nicht zu entscheiden. Ein besonderes Interesse erhält die Samm­lung durch Ferdinand Wolfs Einleitung, in welcher der gründliche Kenner der romanischen Volksliteratur sich über den Ursprung der Volkslieder ver­breitet. Der Antheil, welchen die privilegirten Stände des MittelallerS an dem Volksliede hatten, ist ein wenig stark betont. Eine genaue Unterscheidung der einzelnen Jahrhunderte und ihrer charakteristischen Formen ist für eine Ge­schichte des Volksliedes unentbehrlich.

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Was Winterhalter für die Malerei ist, das könnte der Schriftsteller, dessen Name an der Spitze dieses Artikels steht, für die Literatur werden: ein Hof­maler. Napoleon lll., Nikolaus l., Leopold I., König der Belgier, Henri V., Prinz Joinville, das sind die Figuren, die der Herr Staatörath ersucht, ihm für seine Porträts zu sitzen. Die Herren Thiers, Morny und Cavaignac er­gänzen diese Stubiensammlung.

Winterhalters Name ist mir durch keine zufällige Jdeenverbindung nach der Lectüre von LaguerronnisreS Buch in den Sinn gekommen. Die Aehn- lichkeit zwischen beiven Männern ist eine gar große. Es sind nicht vorzugs­weise Künstler, sonder» Höflinge, und sie wenden sich an kein kunstliebendes Publicum, sondern «n die blasirte Gesellschaft des Salons, deren Gott die Convenienz, deren Religion die Eleganz und deren Moral jene banale Höf­lichkeit ist, die nur ein ganz äußerliches Bindemittel für gebildete Menschen sein sollte. Stehen Winterhalter und Laguerronnisre schon durch den gei­stigen Gehalt ihrer Werke sich nahe, so ist dies noch mehr in Bezug auf die Technik ihrer Kunst der Fall. Dem Maler wie dem Schriftsteller gebricht es