418
ist, ob und^wann sie eintritt. Wie viel richtiger der im Sinne deS Risorgi- mento ausgesprochene Grundsatz des Königs Karl Albert: „I^'ItcMa, kar-l äa se": Italien kann nur durch Italien, durch daS italienische Volk regcnerirt werden. Dieses Volk muß aber zuvörderst sich selbst regeneriren. Sodann verlangt Gioberti eine Abänderung der Gesetze, welche den Uebergang und die Vertheilung des Eigenthums regeln: er verlangt Befriedigung des „Rechtes auf Arbeit" durch den Staat. Das ist eine socialistische und revolutionäre Theorie, welche in das Bereich der Staatsgewalt Gegenstände zieht, die in dasselbe nicht gehören. Endlich verlangt es, daß in Rom die geistliche und die weltliche Gewalt getrennt werde, daß der Papst nur die geistliche Gewalt behalte. Damit würde aber die Existenz des Papstthums und die Einheit der katholischen Kirche vernichtet werden. Wenn der Papst in Rom neben sich eine weltliche Gewalt hat, so würde er unter dem Einfluß derselben stehen: er könnte nicht mehr das Oberhaupt der katholischen Christenheit, sondern nur noch Bischof von Rom sein und die katholische Christenheit würde in Nationalkirchen zerfallen. Die Einheit und Macht des Katholicismus anderen Kirchen gegenüber hat zur nothwendigen Bedingung die weltliche Souvcränetät des Papstes. Ohne dieselbe und dem Einfluß irgend einer Regierung unterworfen, verliert der Papst auch seine geistliche Selbstständigkeit.
Es ist eine schöne Sache um die Freiheit und Einheit Italiens, aber dieselbe wird weder durch revolutionäre Complote, noch durch die Systeme und Theorien des Risorgimento und Rinnovamento erzielt. Wollen die Italiener frei sein, so müssen sie mit vereinten Kräften der Fremdherrschaft sich entledigen, was ihnen seit tausend Jahren nicht gelungen ist, so müssen sie sich durch Bürgertugend für eine freie Verfassung fähig erweisen. Wollen sie einig sein, so muß der Geist des Zwiespalts schwinden, der in Italien die Fürsten und die Völker, die Völker untereinander, den Klerus und die Laien, die Bauern und die Städter, die Reichen und die Armen trennt. Mit einem Worte: die Italiener müssen den Rath befolgen, den ihnen schon Dante gegeben hat, ihre Sitten zu ändern (wutar eogtume).
M.M.OA<^>H'!'«7Ä.WfiM'nM»,'!</M^HmM.'SM''M«tt i'iM tchiKK' .l/Mmt'I«°si
Luther als Rationalist.
Unter dem Namen des großen Mannes hat sich schon zweimal seit einem Menschenalter eine Reaction gegen den Fortschritt der Zeiten geltend zu machen gewußt. Zuerst gegen das wohlgemeinte, von Schleiermacher unmittelbar gepflegte, von Hegel innerlichst geförderte Bestreben deS verstorbenen Königs von Preußen, der protestantischen Kirche durch Union der gesonderten Parteien