133
ihr ein Loch unb stellt sie fest aufrecht; dann werden noch andere Tannen ihrer sämmtliche» Zweige beraubt; mehre Fuhren dieser Zweige werden zwischen den Aesten des auserkorenen Opfers befestigt, so daß eine grüne Pyramide entsteht, und ist dann die Nacht eingebrochen, so wird die Tanne angezündet. Eine dicke weiße Rauchsäule steigt wirbelnd gen Himmel. Dann bricht plötzlich die Flamme hervor, und eine halbe Stunde lang steht ganz Slanik unter einem Fenerregen; das Nadelholz prasselt und zischt, und wie Raketen steigen die Funken in die Luft. Unterdcß spielt die Musik moldauische Weisen, die Bauern und auch wol die Badegäste bilden große Kreise und tanzen die Hvra bei der magische» Beleuchtung. Es ist ein echt moldauisches Schauspiel, aber ich habe dabei vergnügtere Gesichter gesehn, als bei Feuerwerken, wo Namens- züge im Brillantseuer glänzten. — Höchst wahrscheinlich werden einmal bei einer solche» Gelegenheit sämmtliche Baraken aufbrennen, wenn sich ein plötzlicher Windstoß in das Bergnügen mischt. Ein kleiner Unfall hat schon einmal stattgefunden. Vor zehn Jahren hatte ein Badegast den Einfall, ein solches Feuerwerk auf einem der Bergabhänge zu gebe», was sich freilich sehr hübsch ausnahm, aber den ganzen Wald in Brand steckte. In dem Badeorte war es vor Hitze und Rauch nicht auszuhalten; die Gäste mußten fort. Etwa achtzig preußische Morgen des schönsten Waldes waren vernichtet, als sich endlich ein tüchtiger Platzregen der Sache annahm. — Fährt man noch einige Jahre fort, so rücksichtslos zu Hausen, so wird Slanik seines schönsten Schmuckes, der Bäume, vollständig beraubt sein.
Doch eS ist Zeit, der Schilderung des moldauische» Badeortes ein Ende ZU machen. Trotz aller weitläufig beschriebenen Mühseligkeiten denkt Schreiber dieser Zeilen mit Freude an Slanik zurück, an die Gutmüthigkeit und Geselligkeit seiner Moldauer, wenn sie ihr Geschäftsleben zu Hause lassen, an die wilde Schönheit der Natur, und endlich an die Wirksamkeit der sieben Heilquellen. Ueber den medicinischen Werth und chemischen Gehalt der Quellen verweise >ch als gläubiger Bekenner aus eine in Jassy erschienene Broschüre des als Arzt und Mensch hochgeachteten Dr. Steegc.
Korrespondenzen.
Ans Amerika. Sklavenwescn. Nichts bezeichnet mehr die große Leidenschaftlichkeit, womit die Sklaveupartei im Süden der Vereinigten Staaten ihr Interesse verficht, als der Gedanke, auf den einige ihrer Führer geriethen, den auswärtigen Sklavenhandel, der seit fünfzig Jahren in den Vereinigten Staaten ans das strengste verboten ist und auch faetisch ausgehört hat, zn erneuern, — namentlich die Einsuhr von Negern aus Afrika. Wer sich darüber empört fühlte oder gar der Besorgnis Raum gab, daß eiu so furchtbarer Rückschritt sich verwirklichen könne, wird Grenzt>vten. I. 1Lö7.