Beitrag 
Ewald und Vilmar.
Seite
513
Einzelbild herunterladen
 

313

„Verachte nur Vernunft und Wissenschaft", wic.Vilmar laut Philosophie, wie Ewald factisch überhaupt die Kritik, wie alle Theologie des Egoismus thut, „und du hast dem Teufel dich ergeben." Und wie man dann der Nacht immer mehr verfallen kann, das zeigen die beiden Crempel genug.

Neuenburg.

Unklare und unentschiedene politische Bildungen streben stets darnach, einen klaren und entschiedenen Ausdruck zu gewinnen, und sie erreichen den­selben, denn die Natur der Verhältnisse ist auf die Dauer stärker als die con- servative Neigung der Menschen. Ein Beleg dafür liegt in den neuesten Schicksalen des ueuenburgischen Landes vor.

Fürstcnthum und zugleich Ccmton eines republikanischen Bundes, mußte es entweder aufhören Canton zu sein oder selbst zur Republik werden. Daß diese Entwicklung erst spät eingetreten ist, das ist ein sprechendes Zeugniß für die volksfreundliche Regierung, deren sich Neuenburg bis zum Jahre -I8L8 zu erfreuen hatte, daß jener Widerspruch noch heute im Stande ist, in dem kleinen Lande heftige Zuckungen hervorzurufen, zeigt, wie tiefe Wurzeln die Erinnerungen an das Regiment der Könige von Preußen dort geschlagen haben.

Wie entstand jener Widerspruch zwischen Fürstenthum und Canton? war er nothwendig oder verdankte er nur dem Irrthum der Staatsmänner seine Entstehung? Wir glauben, daß die preußische Politik im Jahre 181i mehr als einen Irrthum begangen hat.

Als Napoleon bcfiegl war, hatte Preußen den tractatmäßigcn Anspruch, wieder auf dieselbe Stufe der Macht gehoben zu werden, von welcher der Erobe­rer es hinabgestürzt hatte. Das Fürstenthum Neucnburg war seit dem Ver­trage von 1803 französisches Gebiet und war von Napoleon seinem Stabs­chef als französisches Lehen übergeben worden. Da die Scheinherrschaften der französischen Marschälle mit der ihres Meisters zusammenstürzten, konnte Neuenburg bei Frankreich bleiben oder an Preußen zurückfallen. Da man, um Preußen die frühere Stufe seiner Macht zuzumessen, die Seelenzahl sehr genau berechnete, verstand es sich von selbst, daß Preußen in ersterem Falle durch anschließendes französisches Gebiet entschädigt würde. Nach der Lage der Dinge stand Preußen die Wahl zwischen Neuenburg oder einem Aequi- valent zu.

Preußen wählte Neueuburg — ein von französisch Sprechenden bewohntes, weit entlegenes, der Monarchie nichts nützendes Land statt einer deutschen, naheliegenden, die Monarchie stärkenden Provinz. Grenzboten. III. 18S6.