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ändern. Mit einem Sängerhofe in der Residenz ists ebensowenig zu erreichen, wie früher mit künstlerischem Mäcenatenthum, welches, weil ohne Zusammenhang mit der Bevölkerung, über deren Köpfe hinweg höchstens eine Prophetensonne ohne Wärme ins „Ausland" leuchten ließ.
Ewald und Vilmar*).
Ewald hat begonnen die Grammatik der semitischen Sprache aus dem traditionellen Bann zu heben; seine Grammatik der hebräischen Sprache ist ein bahnbrechendes Werk. Und Vilmar hat einen großen Theil der alt- und mittelhochdeutschen Literatur besser gewürdigt als Gervinus, seine Geschichte der deutschen Literatur ist so poetisch und obendrein so handlich, daß sie sehr beliebt geworden ist. Das ist das Verdienstliche und bleibend Werthvolle an diesen Pflegern deutscher Wissenschaft; Ewald hat zwar noch im Einzelnen gar manches Werthvolle für Erklärung einzelner Bücher und Stellen des A. T. so wie der Apokalypse beigetragen, und Vilmar noch eine recht brauchbare Grammatik der althochdeutschen Laut- und Flerionslehre gegeben, aber eS fehlt da schon beiderseitig die Originalität, es hat mehr eine secundäre Bedeutung. Doch gehört auch dieses noch zur Lichtseite an dem Leben dieser beiden Deutschen. '
Es tritt da aber auch eine Nachtseite hervor,' die immer intensiver, odiöser und warnender zugleich wird. Es liegt im deutschen Wesen etwas Universalistisches, der Einzelne meint mehr als dieses sein zu können und zu müssen, eine zweite Auslage Luthers, so weltbeherrschend und alle Welt meisternd älS dieser weltgeschichtlich große Mann wirklich gewesen ist, wenn auch schon in Schranken. Die Versuchung dazu, so ein zweiter Luther zu werden, hat wol schon jeder kräftigere Geist in sich verspürt; wohin es aber führt, wenn man nicht ruhig und klar die Zeiten und die Kräfte unterscheidet, sich nicht bescheidet, etwas Kleines zu sein, das nur dadurch umfassendere Bedeutung erhält, daß es zu anderm sich fügt, wohin der Dünkel nnd die Herrschlust führt, das bloße Wollen, davon sind diese beiden Deutschen ein warnendes Erempel.
Ewald weiß sich berufen <) über das A. T. allein giltig zu sein, ein Orakel, das nicht irren darf; 2) aber auch das N. T. versteht niemand wie er oder durch ihn, die biblische Wissenschaft sei nicht blos überhaupt sein Fach, sondern auch sein Feld. Dann ist er aber 3) auch berufen, praktisch der Messias des sonst Verlornen deutschen Volkes zu sein; niemand versteht sich aus
») Bgl. H. Ewald biblisches Jahrbuch I8öö. Göttingeu, und Aug. Frdr. Chr- Vilmar: Die Theologie der Thatsachen wider die Theologie der Rhetorik. Marbur'g.