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Musikalischer Jahresbericht aus Berlin. 2.
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Musikalischer Jahresbericht ans Berlin.

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Ueber den Tannhäuser haben Sie bereits einen ausführlichen Bericht gebracht. Ich begnüge mich daher mit der Bemerkung, daß er im Ganzen wol -lli bis 20 volle Häuser gemacht hat, daß sich aber das Publicum trotzdem während der Ausführung selbst noch immer ebenso apathisch verhält, wie am ersten Tage, an dem die Freunde Wagners über die Aufnahme der Oper ent­rüstet waren. Berlin ist so groß und hat einen so starken Fremdenverkehr, daß ein jedes einigermaßen hervortretende, glänzend ausgestattete Werk, selbst wenn kein Wort darüber in den Zeitungen verloren wird, sehr oft gegeben werden kann. In den letzten Jahren haben der Feensee, nächst dem die Stumme von Portici die meisten vollen Häuser gemacht. Das ist also gar kein Beweis weder für das Urtheil des Publicums über die Musik, noch viel weniger für den Werth der Musik an sich. Ebensowenig wollen wir aus den äußern Zeichen von Apathie Schlüsse ziehen. Denn ob die große Masse einen Eindruck empfängt, halten wir zwar nicht für gänzlich gleichgiltig; aber ein Werk kann sehr bedeutend sein, ohne sich darum für jedermanns Geschmack zu eignen. Zweitens sind daS nicht die schlechtesten Kunstwerke, die keine äußern Zeichen des Beifalls hervorrufen, denn ihre Wirkung reicht dafür oft desto tiefer. Aus der äußern Haltung des Publicums läßt sich nicht beur­theilen, ob der Tannhäuser nicht eine Wirkung dieser Art hervorbringt. Daß man' in musikalischen Kreisen meistens ziemlich hart über das Werk urtheilt, steht freilich fest. Indeß sind diese Urtheile, obgleich sie in der Hauptsache das Nichtige treffen, dennoch oft so schlecht begründet, daß man schon daraus entnehmen kann, welche Absurditäten nun gar außerhalb der musikalischen Kreise oft zu Täge kommen. Es ist ein mitnnter zwar erheiterndes, im Ganzen aber doch unangenehmes Schauspiel, wenn künstlerische Principien- sragen so an die große Glocke geschlagen werden, daß nun jeder die Pflicht und das Recht zu haben glaubt, sein Urtheil abzugeben.

Unter den Gästen, die wir im Opernhause sahen, verdient Frau Bürde- Ney bei weitem den ersten Preis. Was die Schönheit dtzr Stimme betrifft, haben wir selten ihres Gleichen gehört. Der Klang ist glänzend und entbehrt

Grenzboten. III. I8LU. >,