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Musikalischer Jahresbericht aus Berlin. 1.
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Musikalischer Jahresbericht ans Berlin.

i.

Das jüngst verflossene Jahr hat eine besondere musikalische Bedeutung für Berlin gewonnen, indem man die Compositionen der jungem Musiker, in denen sich 'die Tendenz nach wesentlich neuer Gestaltung ausspricht, hierher zu verpflanzen suchte. Der schlicßliche Erfolg blieb hinter den anfänglichen Er­wartungen zurück. Der besonnene kritische Sinn hielt das Gegengewicht dem unruhigen Streben, den Geist mit neuem Stoss zu erfüllen. Dennoch ist die musikalische Bewegung, die im vorigen Winter begann, noch lange nicht an ihrem Ende angelangt. Wir haben nur einen kleinen Theil der neuern Be­strebungen kennen gelernt (z. B. Verlioz fehlt noch fast gänzlich), die jüngern Componisten sind unerschöpflich in Productionen; sie besitzen endlich eine Energie in der Verfolgung ihrer Zwecke, die man ihnen wenigstens als eine formelle Tugend gelten lassen kann. Die Theilnahme des Publicums zeigte sich zwar am Ende des Winters schwächer, und es ist wol ziemlich außer Zweifel, daß Coneertprogramme, die nur Neues enthielten, gar keinen Anklang finden würden; andrerseits aber hat das Publicum auch noch nicht gänzlich damit abgeschlossen, und es bleibt den jüngern Componisten noch immer Raum genug, wenn sie sich zu größerer Reife zu entwickeln im Stande sind, sich hier eine Stätte zu gründen. Daß hingegen dieselben Werke, die im vorigen Wiiuer entschieden mißfallen haben, oder solche, die desselben Geistes sind, mit der Zeit in der Gunst des Publicums steigen und sich wol gar dauernd darin behaupten sollten, dünkt uns das Unwahrscheinlichste; unserer Ansicht nach kann sich nur darum handeln, ob vielleicht mit der Zeit aus dem Chaos der modernen Bestrebungen Einzelnes emportaucht, was größere Haltbarkeit besitzt.

Die Kirchenmusik ist von de.m neuen Geist fast ganz unberührt geblieben. Von der Singakademie wurde der Messias und Judas Maccabäns von Händel, die Matthäuspasston und eine CantateGottes Zeit ist die allerbeste Zeit" von Seb. Bach, der Paulus von Mendelssohn, das Ncquiem von Cherubini, der Hivb von Löwe und ein neues Werk von Emil NaumannJerusalems Zerstörung durch Tilus" aufgeführt. Die Chöre gingen meistens gut, namentlich im Requiem und im Panluö; mit sinniger, wenn gleich nicht immer sehr Grenzboten. III. 186ö.