Das deutsche Thenterjchr 1855—56,
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Aus Frankfurt a. M.
Verfall der Darstellungskunst, Entwürdigung der Theaterkritik, Mangel an dramatischem Interesse im Publicum, innere Zersetzung des Schauspielerstandes u. s. w. — so lauten ungefähr die Schlagworte, mit denen man seit Jahren jede Besprechung des Theaterwesens von vornherein ablehnt. Wir Deutsche sind ja so geartet, daß wir zwar jeglichen Mißwachs ästhetischen Lebens bitter tadeln, auch stets die höchsten Anforderungen an die künstlerische Production stellen, aber für diese höchst förderliche Theilnahme als selbstverständlich erachten, daß die Kunst sich nur um ihrer selbst willen übe, eine ernsthafle und anerkennende Unterstützung vom Publicum gar nicht erwarte, dennoch in höchster Vollendung und vollster Rüstung aller Hilfsmittel dastehe, wenn es ja einmal jemandem einfällt, in unauSgefüllten Freistunden sich beiläufig um sie zu kümmern; Fremdländisches dagegen schon bei geringerem Werthe freudig begrüßen, einen etwaigen selbstständigen Aufschwung einheimischer Kunst conseqnent bezweifeln, wenn er trotzdem unzweifelhaft, ihn alS mögliche Abirrung vom rechten Wege mit verdächtigenden Warnungen bewillkommnen — das heißt man praktisches Interesse nehmen.
Ans diese Weise und mit dieser Art ists mit dem deutschen Theater dahin gekommen, wo wir stehen. Und nun vollends die letzte Theatersaison? Es ist ja bekannt, daß sie sich selbst in der Kümmerlichkeit der letzten Jahre durch ihre besondere Unfruchtbarkeit an Productiouen oder sonstigen Ereignissen auszeichnete. Davon soll die Rede sein! Und noch dazu nicht einmal von Sternen, Perlen, Philomenen, Geniussen und derlei mythologischen Erscheinungen des breternen Olymps! Nein, ganz einfach uud schlicht bürgerlich vom deulschen Theater, wie es eben ist, von seinen häuslichen Zuständen, von seinem Alltagskleid und seinem Sonntagsputz, zuerst jedoch von den Künstlern und Nichlkünstlern, die dazu gehören.
Scheinbar ists eine große Zahl und scheinbar zieht man allzuweite Kreise, wenn man sagt, es handelt sich dabei um etwa 20—22,000 Personen. Denn im heinrichSschen Jahrbuch werden sich nur etwa ö800 „Künstler und Künstlerinnen"
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