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Correspondenzen.
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Korrespondenzen.

Aus Müllchen. Die Grenzboten haben in der letzten Zeit Urtheile über W, H. NichtsNaturgeschichte des Volkes" abgegeben, denen ich, auch wenn Sie mirs erlaubten, nicbt widersprechen will; doch gestatten Sie mir vielleicht, einige neue Bemerkungen hinzuzufügen. Nicht unrichtig scheint mir sogleich in jenen Urtheilen eine Ähnlichkeit zwischen Rieht und den Schriftstellernder sogenannten jungdentschcn Schnlc unsrer Literatur" behauptet zu werden, nur möchte ich die Eigenschaft der lctztern, an welchen er Theil hätte, und andere nicht svwvl darin finden, daß sieaußerhalb der politischen Parteien" stehen, als in ihrem Mangel an Charakter überhaupt. Denn was anders, ist leider heute das Auszeichnende unsrer Literatur oder das Vorherrschende in ihr, als das sogenannteLiteraten- thnm" d. h. als eine Schriftstellerwelt, deren Thätigkeit nach außen nicht auf dem auszubildenden menschlichen Charakter der Schreibenden, sondern entweder aus der Trennung von diesem berubt, oder auch auf seine Kosten geübt wird? Nnn versteht es sich zwar, daß dieses Literatenthum, so wie cS ein Erzeugniß der Zeit ist oder nicht blos denLitcraten" zur Last fällt, auch nicht über einen Kamm zu scheercn sei; es gibt Stufen desselben, und weun das sogenannte junge Deutschland, unter welchem man sich nicht, wie die Polizei des Bundestages von 1835, vier bis fünf, sondern so viel hundert Schriftsteller zu denkcu hat, eine der untersten davon ausmacht, so nimmt Riebt jedenfalls eine höhere und vielleicht eine der höchsten ein. Aber daß wir ihn auch so dem Literatenthum beizählen müssen, kann allerdings für kein Lob gelten sollen.

Keiner Partei angehören oder, wie man zu sagen pflegt, über den Parteien stehen, kann nicht zu jeder Zeit Tadel verdienen, denn die Beschaffenheit und Be­rechtigung der Parteien einer Zeit werden sehr dabei in Anschlag zu bringen sein; unter der Parteilosigkeit der jungdeutschen Schule unsrer Literatur kaun daher nur die Unfähigkeit derselben, sei es einer Partei wahrhaft anzugehören, sei es auch über den Parteien zu stehen verstanden werden, nnd hiervon der Grund eben nur in dem Mangel an Grundsätzen bei ihren einzelnen Gliedern liegen. Wir haben bereits angedeutet, wie viel oder vielmehr wie wenig dies Hrn. Riehl treffe, daß wir ihn aber gleichwol nur für einen, wenn anch noch so geschickten Litcraten halten d. h. sür einen Schriftsteller, ans dessen Schriften uns kein eigenthümlicher persön­licher Charakter, ohne welchen kein eigenthümlicher schriftstellerischer Charakter möglich sei, entgegentrete.

Es würde uns nicht in den Sinn gekommen sein, diese Ausstellungen zu machen, wäre den Schriften Nichts überall mit dem Maße und der Besonnenheit ihr Lob z» Theil geworden, wie in diesen Blättern, und legte er selbst ihnen nicht in den Vorreden eine Tragweite bei, die sie uns nicht zu haben scheinen. Wenn er aber sogar, z. B. in der Krenzzeitung, mit JustuS Möscr verglichen, ja selbst über diesen gestellt ist, so möchte ich wissen, worauf sich ein solches nur gegen Herrn Riehl selbst ungerechtes Urtheil stützen lasse. Justus Möscrs schriftstellerische Thä­tigkeit beruhte gauz auf seinem innern Charakter, er schrieb, was er lebte. Herrn Niehls ausschließliches Geschäft ist, woraus wir ihm durchaus keinen Vorwurf wachen, was wir aber als Thatsache anführen müssen, von Jugend an Schreiber