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öder Tragsessel begegnet, von zwei Männern auf den Schultern getragen; aber selbst Frauen der mittleren und niederen Classen habe ich höchst selten in den Straßen gesehen. Die Männer der Mittelclasse sind gewöhnlich in einen bis auf die Füße reichenden hellblauen oder grauen Kasten, oder in eine Tnnika bis unters Knie gekleidet. Die Schuhe sind meist von schwarzer Seide mit sehr dicken Filzsohlen; kurze Kniehosen und Strümpfe aus weißem oder hellgelbem Stoff genäht, und darüber wird bei kaltem Wetter eine Art wattine Gamaschen gezogen, die vom Knöchel bis auf den Oberschenkel hinaufreichen. Alle tragen geschvrne Köpfe, bis auf einen Zirkel von i — 3 Zoll im Durchmesser am Hinterkopf, von wo das Haar in einen langen, bis auf die Waden hinabreichenden Zopf geflochten ist; oft werden aber auch diese Zöpfe um den Schädel gewunden und mit einer kleinen schwarzseidenen Kappe bedeckt."
Am 27. April verließ das Geschwader Hongkong und näherte sich nun, nachdem die nöthigen Vorsichtsmaßregeln getroffen waren, um einem möglicherweise feindseligen Volk begegnen zu können, dem eigentlichen Zweck der Expedition. Am 26. Mai kam man auf der japanischen Inselgruppe Liukiu an, wo ba.ld darauf der Verkehr mit den Behörden eröffnet wurde. Die gegenseitigen Visiten, die man sich machte, waren zum Theil sehr spaßhaft, namentlich machte der Ueberfluß an Confitüren, mit denen man die amerikanischen Gäste bewirthete, einen komischen Eindruck. Im Ganzen wurden die Amerikaner mit großer Höflichkeit behandelt, höflicher, als man es am kaiserlichen Hofe für schicklich erachtete, wenigstens wurde gleich darauf der Gouverneur dieser Inseln abgesetzt. Die eigentlichen Verhandlungen mußte man aufschieben, bis man in Niphon ankam, bekanntlich die Hauptinsel des Reichs, was am 8. Juli geschah. Wir waren alle höchst angenehm überrascht von dem höflichen und anständigen Betragen der Leute. Die Personen der höheren Stände hatten nur einen leichten Anfing der asiatischen Gesichtsbildung, und selbst bei den niedern^ Classen der Fischer und Bootsleute war dieser Zug nicht in unangenehmer Weise vorherrschend. Das einzige Auffallende war, daß der Unterkörper etwas zu kurz im Verhältniß zum Oberkörper ist, was durch die tief getragenen Schärpen oder Gürtel noch mehr in die Augen siel. Die Kleidung war ziemlich so, wie ich sie bereits in Liukiu am Bord der japanische» Dschunken gesehen hatte d. h. ein weites, kaftanähnliches Gewand mit weiten Hängeärmeln, deren unteres Ende zugenähet war, an den Hüften von einem Gürtel gehalten, in dem ein sehr langes zweihändiges und ein kürzeres Schwert staken, welche jedoch in dieser Tragweise die Eigenthümer sehr zu belästigen schienen, da sie beständig daran herumschvben. Die Unterkleider waren von dünnem, durchsichtigem Stoff und bestanden aus einer kurzen Tunica von lichter Farbe, dito Hose», bis zum Knöchel reichend, von wo an ein aus dunklem Stoff genäheter Strumpf, mit der großen Zehe gesondert, die Fuß-
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