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daß die Frauen noch mehr als die Männer der Grausamkeit sich überlassen, welche in der Behandlung der Sklaven zur Gewohnheit wird. Herr Parson schildert in .dieser Beziehung eine herzzerreißende Scene. Aus einer Plantage fährt ein Wagen mit Sklaven zum Sklavenmarkt. Männer werden von ihren Frauen, Kinder von ihren Eltern gerissen und dieses Schauspiel betrachten ganz ruhig junge weiße Mädchen. Sieh doch, sagte eine derselben zu ihrer Gefährtin, waS diese Neger für Lärm machen. Sollte mc^r nicht glauben, daß sie sich um ihre Kinder bekümmern! Sieh, wie Cuffee Dinah umarmt, als werde er in acht Tagen nicht eine andere Frau bekomme»! — Die sechzehnjährige Sklavin einer Mistreß Hicks in Maryland sollte in der Nacht bei dem Kinde ihrer Herrin wachen. Sie schlief ein. DaS Kind schrie und weckte Mistreß Hicks, aber nicht die Sklavin. Mistreß Hicks sprang auS ihrem Bette, ergriff ein Stück Holz und schlug wüthend der immer noch schlafenden Sklavin Schädel und Brust ei». Eine Jury entschied, daß der Tod der Sklavin durch Schläge herbeigeführt worden sei. Es wurde ein Nerhafts- befehl gegen Mistreß Hicks erlassen, aber niemals vollzogen: die Mistreß blieb vollkommen straflos. So geht es fast mit allen Verbrechen, welche von Weißen begangen werden. Der Sklavenbcsitzer ist sein alleiniger Nichter: er selbst bildet die Jnry und verhängt die Strafe, welche er verdient zu haben glaubt/ Im Süden der Vereinigten Staaten kann sogar der Mord eines Sklaven durch Geld abgekauft werden. Wenn ein Weißer den Sklaven eines andern gelobtet hat, so entgeht er der gerichtlichen Verfolgung, wenn er dem Eigenthümer des Sklaven eine Summe Geldes, etwa 1000 Dollars, auszahlt. Wahrend Herr Parson in Dänen sich aushielt, erschlug ein Weißer, Namens Nilson, einen Schwarzen, Namens Cuffee, einen sehr geschickten Zimmermann, der seinem Herrn dafür einen jahrlichen Zins zahlte, daß dieser ihn ungestört seinem Handwerk obliegen ließ. Cuffee halte für Wilsvn gearbeitet. Dieser aber verweigerte dem Schwarzen den bedungenen Lohn. Cuffee hielt dem Wilson seine Unredlichkeit vor. Dieser aber stürzte sich auf ihn und schlug ihn Angesichts einer großen Menge von Zuschauern. Cuffee ließ sich schlagen, denn die Gesetze verbieten einem Schwarzen, die Hand gegen einen Weißen aufzuheben. Er sagte nur: Herr Wilson, wenn ich nicht Sklave wäre, würbe ich nicht eine Minute solche Behandlung ertragen haben! Wilson, wüthend, ergriff sein Pislol und erschoß den Sklaven auf der Stelle. Dem Herrn zahlte er nachher -1000 Dollars und die Sache war abgemacht.
Gerechtigkeit gibt es nicht für den Sklaven im Süden. Entzieht er sich seinen Peinigern durch die Flucht, so erwarten ihn Strafen, schlimmer als die spanische Inquisition gegen die Ketzer sie verhängt hat: er wird gefoltert, gehängt, verbrannt. Noch vor kurzer Zeit las man in den Zeitungen, daß un enllaufener Neg,er an einen Baum befestigt wurde, um welchen man Feuer Grenzbolen. III. 18öS. 19