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Ein Reisewerk für Frankreich.
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Jsabelle von Spanien, die Gebäude Antwerpens, die Reihen brabantischcr Fürsten, alles dies und noch mehr ließ ein flüchtiges Ausziehen der Schrank- schnbladen übersehen. Die meisten Platten, so wie eine vollständige Reihe aller gedruckten Bücher befanden sich nach der Aussage des Factors in einem Zim­mer des Junkers selbst. Aengstlich horchend, ob dieser von dem eingedrungenen Besuche nichts höre, treibt der Factor zur Eile, doch noch muß er mit uns in den andern Flügel, in die leider neu gcweißte Küche hinaufsteigen, die mit ihren Schmelzöfen und Apparaten zum Letternguß uns ein treffliches Original zu einer Alchymistcntuchc böte. Welcher Reichthum von Stoff zur Literarge- schichte liegt noch bier verborgen? Welche Fülle interessanter Korrespondenzen mag noch unbewußt mit gehütet werden neben dem ganzen Gewinn, den die ur­kundliche Geschichte einer solchen Anstalt für Culturgeschichte überhaupt hat! Hoffen wir, daß nicht allzulange Wunderlichkeit und Beschränktheit diese Schätze der wissenschaftlichen Benutzung vorenthalte.

Literatur.

Todesfälle. In der vergangenen Woche starb gänzlich verschollen einer der merkwürdigsten Cbarlatanc unsrer Zeit, Friedrich Rohm er, der vor etwa einem Dcccnninm in Snddcntschland und der'" Schweiz an der Spitze einer kleinen, aber fanatischen Sekte nicht geringes Aufsehn erregte. Er trat auch als Politischer Schriftsteller ans, in der festen Ueberzeugung, der Welt die merkwürdigsten Dinge vorzutragen. Wenn diese Schriften äußerst mittelmäßig waren, so wiederholt sich darin nur, was bei einem neu auftauchenden Fanatismus häufig vorkommt: der Glaube gilt nicht der Sache, sondern der Persönlichkeit des Führers. Vor einigen Iahren erschien ein nicht uninteressanter Roman: der Tannbänser, von Widmann, einem Mann, der frnber zu den leidenschaftlichsten Fanatikern Rohmers gebort hatte, und der darin seinen spätern Abfall motivirt. Unter den literarischcn Be- rübmtbcitcn heben wir den Professor Friedrich Heinrich von der Hagen hervor, der im 76. Jahre zu Berlin, wo er seit -1821 als ordentlicher Professor gewirkt, gestorben ist. Aus den Sympathien der romantischen Schule hcr-vor- ejegangen, hat er im Anfang dieses Jahrhunderts auf das lebhafteste für die Wiederaufnahme der germanistischen Studien gewirkt, und wenn eine strengere nnd gründlichere kritische Methode seine Forschungen überholt uud eine Polemik bervor- gerufen hat, die durch unangenehme persönliche Beziehungen noch verschlimmert wurde, so wird doch die Litcraturgeschichte seine Verdienste nicht vergessen dürfen.

Yu.irtsrl^ Ii<zv>c!>v vom März 1836. Das Heft enthält eine Reihe sehr interessanter Artikel, die auch beim deutschen Publicum Aufmerksamkeit erregen sollten. Zunächst ein Bericht über das Werk'des Sir George Corncwall Lcwis: die Kritik der ältesten römischen Geschichte. Bekanntlich unterscheiden sich NiebuhrS