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eine kaiserliche Gladiatorenscbnle und Goettling hat daher vermuthet, Thume- licus sei dort zum Gladiator erzogen worden, was möglich ist, und zu den Worten des TacituS wohl paßt. Aber auch das ist eben weiter nichts alS eine Möglichkeit, die man am besten auf sich beruhen läßt, Goettling dagegen hat diesen Einfall mit einem andern combinirt. Seneca berichtet mehre heroische Selbstmorde von Barbaren, die, bestimmt sich zur Belustigung des römischen Pöbels umzubringen, den Tod von eigner Hand diesem schmählichen Ende vorzogen. Einer unter andern bohrte sich die Lanze, die er zum Kampf mit seinen Gegnern empfangen, in die Kehle, und dies, meint Goettling, könnte Tlmmelicus gewesen sein. Auch dieses ist freilich möglich. Aber überall, wo in wissenschaftlichen Dingen keine Hoffnung ist, die Wahrheit auch nur mit einem Schein von Sicherheit zu ermitteln, ist es doch besser zu verzichten, alS sich auf den Irrwegen der Möglichkeiten zu verlieren. ,
Schließlich hat sich Goettling durch den Wunsch, dem Porträt der Thusnelda auch eines des Thumclicus beizugesellen, ans einen Einfall bringen lassen, der noch alle früheren an Grundlosigkeit übertrifft. Im britischen Museum befindet, sich ein jugendlicher Barbarenkopf, den man als solchen an dem Schnurrbart erkennt. Hier ist nun nicht einmal, wie bei der angeblichen Thusnelda, der mindeste Grund vorhanden, den Kopf für den eines Germanen zu halten. Es kann ebensogut ein Gallier, Britaunier, oder der Sohn irgend eines andern wilden Stammes sein, der den Römern zu schaffen machte. Aber Goettling wollte einen Thumclicus entdecken, und der Schnurrbart genügte, >bn zu überzeugen, daß er den richtigen gefunden habe. Ja er ist von der Sicherheit seiner Entdeckung so durchdrungen, daß er meint, der Statue Hermanns im teutoburger Walde sollten Züge ans diesem Kopf geliehen werden. Die ganze von Goettling construirte Geschichte des Thumclicus hat keinen größern historischen Werth, als eine poetische Erfindung, die auf bekannte Thatsachen begründet ist. Wenn sie also die Wissenschaft aus ihrem Gebiet verweisen muß, so hat dagegen der Dichter vollkommen das Recht, sich ihrer zu bedienen.
Ebenso mag der Maler seine Studien für eine Thusnelda und einen Thumelicuö uach diesen beiden Antiken machen; aber der Archäolog kann sie nimmermehr als historisch beglaubigte Porträts gelten lassen.
Neue historische Schriften.
Geschichte des Alterthums von Max Dunckcr außerordentl. Prof. a. d. Univ. zu Halle. Dritter Band. Berlin, Dunckcr nnd Humblot, —
Wir müssen bei diesem schönen Werk nicht nur die Schnelligkeit der Ausführung, sondern auch die immer wachsende Sicherheit bewundern, mit welcher