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Thusnelda und Thmnelicns.*)
Friedrich Halm hat bekanntlich in der Erklärung, durch welche er sich als Autor des Fechters von Ravenna bekannte, mitgetheilt, daß er die Anregung dazu dem unten genannten Aufsatze von C> W> Goettling verdanke. Derselbe war zuerst 1843 in den Annalen des Instituts für archäologische Korrespondenz erschienen, dann zum zweiten Male -IK-il in den gesammelten Schriften deS Verfassers, und erscheint jetzt zum dritten Male, begleitet von den angeblichen Bildnissen der Thusnelda und des Thnmelieus und der Abbildung einer von Bändel für den Fürsten von Lippe gearbeiteten Statue der ersteren. Unsere Absicht ist nicht, zu erörtern, auf welche Weise der Dichter den ihm gebotenen Stoff benutzt hat, sondern zu untersuchen, inwiefern die von Goettling aufgestellten Ansichten Glauben verdienen. Wir wünschen den verdienstvollen Gelehrten nicht zu beleidigen, indem wir unumwunden auSsprechen, daß sie uns völlig unhaltbar erscheinen. Es zeigt sich leider nur zn oft, daß die besonnensten Forscher auf dem schlüpfrigen Pfade Her archäologischen Knnsterklärung straucheln. Je namenloser und räthselhafter ein antikes Kunstwerk ist, desto lebhafter regt.sich der Wunsch, es zu bestimmen und zu erklären. Sehr leicht bietet irgend ein Umstand eine Handhabe, an die sich ein Einfall, eine Combination knüpfen läßt. Man ist dann bereits befangen und findet bei eifrigem Suchen fast immer Argumente, die den schon lieb gewonnenen Satz zn unterstützen scheinen, und steht zuletzt ein Gewebe von Trugschlüsse» für eine un- widerlegliche Beweisführung au. Leider werden solche Hypothesen und Vermuthungen von gefälligen College« als erwiesene Thatsachen angenommen. „Nachgrade, sagt Otto Iahn, gelangt die Fertigkeit, sich mit einem Einfall aus der Noth zn helfen, auch iu der Wissenschaft zu einer Geltung, auf welche nur gründliche, in einem stetigen Zusammenhange geführte Unterstützungen Anspruch haben." Nicht mit Unrecht ist die Archäologie der alten Kunst, in der dieses Unwesen über alle Gebühr getrieben wird, bei ernsten Forschern in Verruf gekommen. Die Gefahr, sich auf diesem Gebiet zu verirren, muß in der Tha,t sehr groß sein, wenn Gelehrte, wie Herr Goettling, sich ihr nicht entziehen können.
Die Statue, welcher Goetllnrg den Namen Thusnelda gibt , steht in der Loggia de Lanzi zu Florenz. Es ist eine kolossale Figur in Haltung und Ausdruck einer Trauernden, und man hat längst in ihr eine gefangene Barbarenfürstin erkannt, deren Bild die Nische eines Triumphbogens geschmückt zu hoben scheint, da sie auf der Hinterseite ziemlich roh gearbeitet, nur für die Be- trachtnng in der Vorderansicht bestimmt war. Auch die Nationalität läßt sich
*) ThnSnclda und ThumeiicnS in gleichzeitigen Bildnissen nachgewiesen von C. W. Goettling.
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