Beitrag 
Die Kansasfrage in Amerika.
Seite
507
Einzelbild herunterladen
 

507

Die Kmtsassnlge in Amerika.

Das Zerwürfniß zwischen England und Amerika ist seit unsrer Besprechung dieser Frage durch zwei Ereignisse in ein neues Stadium getreten. Der eng­lische Gesandte Crampton in Washington hat seine Pässe bekommen und General" Walker, der Freibeuterhäuptling in Nicaragua, ist in der Person ^ seines Gesandten Padre Vigile vom Präsidenten anerkannt worden.

Die Frage, ob wir einen Krieg zwischen den beiden Mächten ha'ven werden, ist dadurch noch nicht entschieden. Muß d-is englische Cabinet jetzt den ameri­kanischen Gesandten, Mr. Dallas, sortschicken? Wir glauben,daß keine Nöthigung vorliegt. Jeder Regierung muß das Rechr zugestanden werden, einen Ge­sandten zu entlassen, welcher, sei es nun aus einer wirklichen oder eingebildeten Ursache, dem Haupte dieser Negierung persönlich unangenehm wird. Mr. Crampton befindet sich ohne seine Schuld in dieser Lage dem Präsidenten gegenüber. Er hat sich das Mißfallen, dieses schwächsten aller bisherigen Staatsoberhäupter Amerikas und der Großsprecher und Raufbolde in seiner Umgebung zugezogen, und es ist ein Vortheil für ihn sowol als für England und Amerika, wenn er sich aus einer Stellung zurückzieht, die er nicht länger mit Nutzen ausfüllen kann. In Betreff des Mr. Dallas eristiren keine solchen Empfindungen, und es würde zu bedauern sein, wenn das englische Cabinet blos um Gleiches mit Gleichem zu vergelten den kleinlichen Trotz der Herren in Washington nachahmen wollte. Großbritannien kann es in der Würde un- bezweifelter Macht und unbefleckter Ehre sehr wohl mit ansehen, daß ihm von drüben her eine Faust gemacht wird. Vielleicht ist der einzige Weg, auf welchem Lord Clarendon dem amerikanischen Volke die Meinung des britischen Cabinets in dieser rein persönlichen Frage andeuten kann, der/ daß er Mr. Crampton eine wichtigere Mission überträgt, als die, welche er jetzt aufgeben muß. Was aber auch geschehen möge in dieser Angelegenheit, so viel ist klar, daß, so lange Mr. Picrce Präsident ist, England keinen Gesandten in Amerika haben wird. >

Dennoch und trotz aller der Großsprechereien der amerikanischen Presse glauben wir nicht an einen Krieg zwischen den beiden Nationen. Zunächst deshalb nicht, weil England gerüstet und Amerika nicht gerüstet ist. Sodann aber auch, weil in England die öffentliche Meinung entschieden gegen einen solchen Kampf ist. Die Engländer zerfallen über jede Frage in Parteien. In einem Punkte aber sind sie einig, in der Frage nach einem Kriege mit den Vereinigten Staaten. Niemand wünscht ihn, jedermann verurtheilt ihn. Jeder würde sich lieber dreimal so viel Unangenehmes von Amerika sagen und an­thun lassen als er von Nußland, Frankreich oder irgend welcher andern Macht

64* ' '