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Correspondenzen.
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licher Schriftsteller die ganze öffentliche Meinung bestimmen und vergiften könnten. Ich will damit nnr sagen, daß die Schäden ,der Presse, wie sie auch in diesem Augenblick vorliegen, allgemeine seien, an denen die Regierungen nnr Theil haben, nnd die zwar von ihnen verstärkt werden können, aber nicht von ihnen allein ausgehen.

Die Redaction der Grenzboteu hat i» einer Nachschrift in derselben Nummer sehr richtig die Grenzen abgesteckt, innerhalb deren sich eine NcgieruugSpressc zu halten habe, wenn sie diesen Namen verdienen nnd wirklich den Regierungen, wie dem Gemeinwesen nützen soll. Sie hat auch bemerkt, wozn Sie mir vielleicht einen Zu­satz zu machen erlauben, daß wenigstens die Zcituugsredactioueu von abhängigen Schriftstellern nichts aufnehmen sollten. , Aber hier liegt eben das Verkehrte uud Verderbliche ciuer falschen Negicrungsprcsse, Der Literat nnd Zeitungsschreiber, der von einem NegicrnngSprcßagenten, deren sich allerdings auch in Frankfurt auf­halten, geworben wird, der schreibt den Zcituugsredactioueu, als wäre er unab­hängig, und ist auch oft in der Lage, ihnen Nachrichten geben zn können, die sie nicht gern zurückweisen. Wie würde man sichs sonst z. B. erklären, daß seit einer laugen Reihe von Jahren die cigentlichcn ständigen frankfurter Korrespondenten der angsbnrger Allgemeinen Zeitung zum Theil zu der untergeordnetsten Gattuug des hiesigen Litcratcnthums gehörten, nnd auch ihr jetziger Hanptcorrcspvndent von hier soll, wie allgemein behauptet wird und mir noch in diesen Tagen von einem genau uutcrrichtctcu Manne bestätigt worden ist, ein gewesener Barbiergchilfe sein; woraus wir aber, wie die Verhältnisse nun einmal sind, weder der Allgemeinen Zeitung, noch jenem Literatcn einen Vorwurf machcn, der blos' einen geachteten Stand mit einem in uuscru Augeu minder geachteten vertauscht haben würde. Nimmt man hierzu, daß abhängige Litcraten den oft nicht weich gebetteten Redac­tionen bequemer sind, als solche, welche zugleich eine eigne Ueberzeugung vertreten wollen, so muß tüchtigern Männern jede journalistische Thätigkeit in Deutschland wenn nicht nnmvglich gemacht, doch schr erschwert werden. Und ich habe oben nicht einmal von abhängigen und absolut abhängigen Zcitungsredactionen, wie der nominellen Redaction der' hiesigen Postzeitung, gercdrt. »

Fügt man zu allen diesem das Treibe» großer specnlircnder Buchhändler hinzn, wovon Sie vielleicht in Leipzig selbst Beispiele kennen, so wie einzelner in deren Interesse fnngircndcr oder sich dieser nnd jener Partei aufdrängender selbstsüchtiger Litcraten, so wird man zu der betrübende», aber nothwendigen, schon oben aus­gesprochenen Ueberzeugung kommen, der berührte Schaden sei ein ziemlich allgemeiner und die Besserung könne nnr von innen kommen. Was nun die ganz besondern frankfurter Prcßvcrhältnisse und die unter denselben hervorstechenden Personen be­trifft, so werde ich um der politischen Wichtigkeit dieses Platzes willen xi»« <>>, üUuUo, ^noi'niu o,uu«us pnx'ul luilico, demnächst eingehender darauf zurückkommen.

Für hcntc erlauben Sie mir nur noch, Sie auf die im Verlage von Bröuncr dahicr erschienene Schrift von Ang, Boden:Zur Kenntniß nnd Charakteristik Deutschlands in seinen politischen, kirchlichen, literarischcn und Ncchtsznständen während der lctzten Jahrzehnte/' aufmerksam zn machen. Da sie sich dnrch die Vielseitigkeit ihres Inhaltes auszeichnet, durch den aber ein rother Faden geht, welcher ihn zu einem Ganzen macht, so scheint eine kurze Anzeige derselben vom Orte ihres Erscheinens aus gerechtfertigt zu seiu.